Souveränes Auftreten kann man trainieren

Mit Souveränität Staat machen?!

Menschen, die Souveränität ausströmen, werden gesehen, geachtet und bewundert, solange sie nicht überheblich, selbstgefällig und rechthaberisch auftreten. Ganz im Gegenteil zu unsicheren, kopflosen oder schüchternen Personen wirken souveräne Menschen überzeugend, vertrauensvoll und authentisch.

Besonders im beruflichen Umfeld kann die Charaktereigenschaft der Selbstsicherheit Türen öffnen. Auf geschäftlicher Basis braucht es Überzeugungskraft und abgeklärtes Auftreten, denn eine beherrschte, selbstbewusste Art kann ausschlaggebend für einen lukrativen Auftrag sein und einen potenziellen Kunden beeindrucken. Souveränität mutiert somit zu einem gewinnbringenden Faktor.

Elementare Fragen sind daher:

  • Kann man sich Souveränität aneignen?
  • Auf welche Weise kann man diese überlegene Reife lernen?
  • Welche Schritte muss man unternehmen, um als souverän zu gelten?

Nachfolgender Artikel informiert über praktische Übungen und hilfreiche Tipps, um Selbstsicherheit und Souveränität auszustrahlen.

Definition: Souveränität

Aus dem Französischen (souveraineté) leitet sich das deutsche Wort Souveränität ab. Ursprünglich basiert das Wort auf dem lateinischen Ausdruck ‚superanus‘, was so viel wie ‚überlegen‘ bzw. ‚darüber befindlich‘ bedeutet.

Im alltäglichen Sprachgebrauch lesen wir von der Souveränität eines Staates oder hören von einem souveränen Herrscher. Gemeint sind immer die Umstände, dass ein Staatssystem oder ein Regent unabhängig und autark von der Einflussnahme anderer agiert.

Aufgrund dieser Definition handelt es sich bei einem souveränen Menschen um eine Person, die selbstverantwortlich und unbeeinflusst handelt und eine persönliche Souveränität ausstrahlt. Als Synonyme des Begriffs Souveränität werden auch gern die Bezeichnungen Selbstständigkeit, Überlegenheit, Selbstbewusstsein, Autonomie, Selbstsicherheit bzw. Vormachtstellung verwendet, je nachdem, in welchen Kontext sie passen.

Definition: Souveräner Mensch

Eigenverantwortlichkeit und Unabhängigkeit mögen zwei passende Attribute für einen souveränen Menschen sein, aber Souveränität besteht aus viel mehr Eigenschaften und Manieren. Auf einen Eigenbrötler treffen die beiden o. g. Charaktereigenschaften ebenso zu und daher ist es die Ausstrahlung einer souveränen Person, die mit einer speziellen Haltung einhergeht. Hinter Souveränität versteckt sich die Verknüpfung aus Handlungs- und Verhaltensweisen, einem unnachahmlichen Habitus, der eine besondere Wirkung auf die Mitmenschen hat.

Souveräne Haltung

Die Wahrnehmung und Bewertung anderer Personen ist entscheidend für das Erscheinungsbild eines Menschen. Je nach Situation und Umgebung erscheint jemand energisch und souverän oder eher zurückhaltend und unsicher. Ist der Moment in herausfordernde Umstände gekleidet oder wird zumindest von anderen so empfunden, wird eine Person dann als souverän angesehen, wenn sie die Lage zufriedenstellend und erleichternd meistert.

Vier Kriterien stehen im Fokus, wenn man Souveränität näher beschreiben will.

  1. Selbstbewusstsein

Souveräne Personen glänzen durch Gelassenheit und Umsichtigkeit in den Augenblicken, in denen andere Menschen Stress, Schwierigkeiten, Krisen oder gar Panik empfinden. Mit der ihnen innewohnenden Ruhe und Selbstsicherheit behalten die souveränen Menschen den Überblick und vermitteln durch das Selbstvertrauen die Überzeugung, dass es Lösungen aus den Notlagen gibt. Zweifel und Hoffnungslosigkeit sind kein Thema und eine ehrliche Bescheidenheit trägt dazu bei, dass von Arroganz keine Rede sein kann.

  1. Unabhängigkeit

Souveränität drückt sich des Weiteren darin aus, dass die souveränen Menschen eine feste eigene Meinung haben und sie selbstbewusst äußern. Mit dem Strom zu schwimmen ist für sie keine Option, denn sie vertrauen auf ihre innere Stimme. Zwar stößt dieses Verhalten nicht immer auf Gegenliebe, mitunter oder vermutlich oft auf Empörung, Ablehnung oder Zurechtweisung, aber das ist für eine selbstbewusste Person nicht entscheidend. Ihr geht es nicht darum, von allen Mitmenschen gemocht zu werden, sondern die persönlichen Ziele und die eigene Authentizität nicht aufzugeben. Daher prallen Provokationen von ihr ab.

  1. Selbstverständnis

Bei souveränen Menschen kann man ein ausgewogenes und wirklichkeitsgetreues Selbstbild erwarten. Sie sind sich ihrer Stärken und Schwächen bewusst und zeigen eine gute Selbsteinschätzung. Sie tragen und übernehmen Verantwortung für eigene Irrtümer, sehen daher von Schuldzuschreibungen auf andere Menschen ab und denken bzw. handeln ziel- und lösungsorientiert.

  1. Interaktion

Überheblichkeit ist souveränen Menschen fremd; viel eher sind sie an ihren Mitmenschen interessiert. Dazu gehört ein rechtschaffener Umgang mit ihnen im Alltag, indem sie ihnen zugewandt sind, zuhören können, sich aber selbst auch helfen und raten lassen. Keineswegs empfinden sie die Hilfe anderer als eigene Schwäche oder Unvollkommenheit, da sie in sich ruhen, über sich selbst Klarheit haben und selbstbewusst genug sind.

Charaktereigenschaften souveräner Menschen

Souveränen Personen werden u. a. folgende Wesensmerkmale attestiert: Ausgeglichenheit, Selbstverantwortlichkeit, Belastbarkeit, Charisma, Abgeklärtheit, Eigenständigkeit, Gelassenheit, Humor, Konfliktfähigkeit, Lösungsorientierung, Meinungsstärke, Selbstbewusstsein, Zugewandtheit, Verantwortungsbewusstsein, Geistesstärke und emotionale Stabilität.

Nicht selten wird das gesunde Selbstverständnis einer souveränen Person durch die Mitmenschen fälschlicherweise als aufgesetzt oder unecht empfunden. Dabei fehlt es einem souveränen Menschen u. a. an Arroganz, Egoismus, Hochmut, Reizbarkeit, Sprunghaftigkeit, Überheblichkeit, Unterstellungsbereitschaft, Launenhaftigkeit und lautem Auftreten.

SABTA oder das „blendende“ Auftreten bei völliger Unwissenheit

Es gibt Menschen, die mit ihrem sicheren Auftritt ihre Ahnungslosigkeit perfekt vertuschen können. Diesem Phänomen hat man das Akronym SABTA (Sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit) verpasst und bezeichnenderweise sind diese Personen unter der Zuschreibung ‚Blender‘ bekannt. Ihre Unkenntnis verstecken sie mühelos hinter Phrasen, Liebenswürdigkeit und Plattitüden. Schlagen diese Tricks fehl, greifen diese raffinierten Menschen zu eingeübten, unterschiedlichen Konversationstechniken, um von ihrem Nichtwissen abzulenken.

„Umleitung“

Wer kennt sie nicht, die Frage-Antwort-Spiele in einer gewöhnlichen Kommunikation? Man stellt eine konkrete Frage und freut sich auf die interessante Antwort. Stattdessen umgehen SABTA-Menschen die sie überfordernde Frage, leiten das Augenmerk geschickt auf einen ganz anderen Bereich, von dem sie etwas verstehen, und lassen sich dann ausschweifend zu diesem Thema aus.

„Palaverstunde“

Souverän wirkende Menschen, die von ihrer Ahnungslosigkeit ablenken wollen, schaffen es auf clevere Art, von einer eindeutigen Fragestellung zu einem speziellen Thema auf eine ganz allgemeine Ebene überzuleiten und sich dort in ungenauen, nichtssagenden, blumigen Worten zu äußern.

„Bumerang“

Elegant, aber häufig zu deutlich nutzen SABTA-Zeitgenossen die Möglichkeit, eine unangenehme Frage mit einer sofortigen, gezielten Gegenfrage zu erwidern. Sie wollen auf diese Weise ihre Unwissenheit kaschieren, einen Gesichtsverlust vermeiden und von sich ablenken. Leider ist ein solcher Habitus leicht zu durchschauen und bleibt auf Dauer nicht verborgen. Personen mit guter Menschenkenntnis entdecken schnell in ihrem Gegenüber den unvorbereiteten bzw. kenntnislosen Gesprächspartner.

„Schauspieler“

Manch ein Zeitgenosse glänzt durch dominantes Auftreten, präsentiert sich durch eine unüberhörbare Stimmlage und spart nicht an affektierten Gesten. Andere wiederum definieren sich über unterschiedliche Luxussymbole und stellen ihren angeblichen Status extrovertiert zur Schau. All diese Attribute weisen auf eine gute Verstellung bzw. Ersatzhandlung, aber nicht auf einen souveränen Menschen hin. Mit bescheidenem Wissen über seine Fähigkeiten muss man nicht auf eine äußere Bühne treten, sondern kann getrost vertrauen, dass die Mitmenschen mit Sensibilität um die Qualitäten wissen und sie schätzen.

Als Fazit dieser Betrachtungen gelten zwei bedeutende Fakten:

  • Echte Souveränität bedient sich keiner Verhaltenstricks, sondern basiert auch Wissen und Können.
  • Als Persönlichkeitsmerkmal ist die Eigenschaft Souveränität eine innere Attitüde, die nach außen strahlt.

 

Souveränität – in allen Lebenslagen selbstsicher, überlegen und zielorientiert?

Diese Frage kann man getrost mit ‚Nein‘ beantworten, denn nicht jede Situation stellt dieselben Bedingungen für identische Reaktionen dar. Immer wieder gibt es herausfordernde Krisen oder ungeahnte Schwierigkeiten, für die auch der souveräne Mensch nicht ad hoc eine selbstbewusste Lösung parat hat oder angemessen auf sie reagieren kann.

Will man den Unterschied zwischen einer selbstsicheren und einer unsicheren Person ausmachen, kann man ihn auf folgenden Nenner bringen: Die souveränen Zeitgenossen zeichnen sich durch eine höhere Toleranz und größere Gelassenheit in unangenehmen Situationen aus. D. h. dass ein geringer Stressfaktor den nicht gefestigten Menschen in Panik versetzt, während der Souveräne eine missliche Lage mit Humor trägt, Ungereimtheiten eher überbrücken kann und schnell Alternativen bereit hat.

Sechs praktische Aufgaben für das Training eines souveränen Auftritts

Die Sozialisierung im Kindesalter ist das Fundament, auf dem Souveränität gebaut wird. Kinder, die entweder im übervorsichtigen bzw. überbehüteten Elternhaus aufwuchsen oder wenig Zuspruch, Bestärkung und Eigenständigkeit erfuhren, entwickeln einen schüchternen bzw. zaghaften Charakter. Wurde man als Kind gefördert, ermutigt und zur Eigenverantwortlichkeit erzogen, konnte sich eine selbstbewusste Lebensart herausbilden.

Unbestreitbar steht man in der heutigen Geschäftswelt in Hinsicht auf Konkurrenzdruck, Arbeitsplatzsituation, Komplexität und Lebensbedingungen unter enormem Stress. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es eine gefestigte Haltung und sowohl Langmut als auch Ausgeglichenheit, um Krisensituationen zu überwinden. Insbesondere sind es die Frauen, denen souveränes Auftreten schwerfällt.

Ein vielversprechender Ausblick:

Man kann seine persönliche Souveränität aufbauen und trainieren!

Mit dem Wissen über elementare Grundlagen und dem Sammeln von Erfahrungen erwirbt man das richtige Verhalten einer souveränen Person. Dies bedingt allerdings, dass man bereit ist, hart an sich zu arbeiten, persönliche Hintergründe zu analysieren, alte Gedankenschablonen zu überprüfen und sich neue Verhaltensmuster anzueignen.

Nachfolgend informieren sechs Kriterien über den Weg, wie man Souveränität lernen kann.

  • Gute Vorbereitung

Der erste Schritt bezieht sich auf die Willens- und Entschlusskraft, denn man muss sich diszipliniert und expliziert vornehmen, dass man selbstsicherer werden möchte. Das Augenmerk liegt darauf, sich bewusst so zu verhalten, wie souveräne Menschen es tun, d. h. ihre Verhaltensweisen zu kopieren bzw. zu adaptieren. Dahinter verbergen sich in erster Linie der Mut und die Stärke, die eigenen Interessen eindeutig und entschlossen zu vertreten.

  • Zurückhaltende Abwehr

Während der Schulzeit gehänselt, im Beruf schikaniert, im Alltag tyrannisiert – diese Situationen sollten ab sofort der Vergangenheit angehören. Kommt es zu Konflikten, sollte man stark, ruhig und sachlich bleiben und keinesfalls eine Opferrolle einnehmen. Es ist eine stille Gegenwehr, die den Gegner abprallen lässt.

  • Intensiver Blickkontakt

Sich in kritischen Situationen zurückzuziehen und damit eine Geste der Unterwerfung zu signalisieren, passiert keinem souveränen Menschen. Standfest und herausfordernd sollte die Haltung sein, denn das demonstriert Selbstsicherheit und Größe. Ein kontinuierlicher Blickkontakt vermittelt dem Gegenüber Konzentration, Interesse und Präsenz.

  • Aufrechte Körperhaltung

Ein scheuer, zum Boden gerichteter Blick, eine gebeugte Körperhaltung und herabhängende Schultern deuten auf einen unsicheren Zeitgenossen hin. Souveräne Personen gehen und sitzen aufrecht und mit durchgedrücktem Rücken. Speziell eine Sitzhaltung mit übergeschlagenen Beinen oder mit vor der Brust verschränkten Armen signalisiert Verschlossenheit und Abwehr. Selbstsichere Menschen stellen ihre Füße fest auf den Boden, öffnen ihre Arme, sind bereit für die Argumentationen untermalenden Gesten und schaffen so eine Situation, in der sie präsent sind und wahrgenommen werden.

  • Charismatische Ausstrahlung

Souveränen Menschen haftet eine gewisse charismatische Aura an, die sich mit ihrem Auftritt verbindet. Man spürt die Präsenz und die Selbstsicherheit. Der/Die wahrhaft Souveräne verströmt eine Verlässlichkeit, Hilfsbereitschaft und Vertrauenswürdigkeit, die auf die Mitmenschen sympathisch und gewinnend wirkt.

  • Artikulierte Aussprache

Die Souveränität hängt nicht unbedingt von der Sonorität oder Sprechgeschwindigkeit ab, denn souveräne Personen sind fähig, ihre stimmliche Präsenz und Artikulation zu variieren. In jedem Fall – ob prägnant, zart, insistierend oder laut –  machen und hinterlassen sie durch das Zusammenspiel vieler Faktoren einen aphoristischen Eindruck.

Weiterführende Links:

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