Redeangst überwinden und gelassen vor der Gruppe stehen

Redeangst überwinden und gelassen vor der Gruppe stehen

Sprechangst ist für sehr viel mehr Menschen ein Problem, als die meisten Betroffenen denken. In der Fachsprache wird Sprechangst als Logophobie bezeichnet. Zugeordnet wird sie den sozialen Ängsten. Ungefähr 40 Prozent aller Menschen haben Schwierigkeiten, wenn sie öffentlich reden (müssen/möchten). Die meisten von ihnen würden liebend gern ihre Redeangst überwinden und gelassen vor der Gruppe stehen.

Sprechangst, Redeangst und Kommunikationsangst

Als Sprechangst werden die Ängste bezeichnet, die beim Sprechen vor und mit anderen Personen entstehen.

Man unterscheidet zwischen Redeangst und Kommunikationsangst:

  • Bei der Redeangst steht der öffentliche Charakter des Sprechens im Vordergrund. Der Leistungsaspekt und die Möglichkeit der Bewertung des Sprechers durch die Zuhörer spielen eine Rolle.
  • Bei der Kommunikationsangst ist das Sprechen in sozialen Interaktionen generell verknüpft mit Befürchtungen des Versagens

 

Menschen, die unter Sprechangst bzw. Redeangst leiden, haben Schwierigkeiten wenn Sie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von anderen Menschen stehen. Man könnte auch sagen, die Betroffenen können Aufmerksamkeit nicht aushalten. Ein Vortrag, eine Präsentation oder ein Referat zu halten ist für sie die wahre Hölle. Vor (vielen) Menschen zu stehen und angeschaut zu werden erzeugt in ihnen Angst. Und die Angst davor (Angst vor der Angst) kann sich sogar bis zu einer Panik steigern.

Und es braucht nicht einmal ein großer Auftritt sein. Sprechangst kann sich auch bei Meetings, in der Schule und bei Telefongesprächen bemerkbar machen. Die Angst kann sogar bei einem Gespräch unter Freunden entstehen oder auch im Familienkreis können Betroffene Schwierigkeiten haben

Bei der Sprechangst geht es nicht darum, was einer sagt, sondern wie er sich dabei fühlt.

Lampenfieber vs. Redeangst

Lampenfieber wird auch manchmal mit Redeangst gleichgesetzt. Diese beiden Begriffe haben allerdings eine unterschiedliche Bedeutung. Lampenfieber ist in einem normalen Maß nämlich eine natürliche körperliche Anspannung/Aufregung vor einem (großen) Auftritt. Lampenfieber gehört daher eher in den künstlerischen Kontext, wenn es um einen Bühnenauftritt geht.

Ausprägung von Redeangst

Die Angst zu reden kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Sie kann sich als leichte bis starke körperliche Anspannung mit entsprechenden Symptomen bemerkbar machen. Sie kann aber auch als panikartige Sozialangst auftreten.

Häufige negative Erfahrungen mit der Angst vor/mit Menschen zu sprechen können einen sozialen Rückzug verstärken und die Entwicklung einer pathologischen Sozialen Phobie begünstigen. Eine krankhafte Angst vor dem Sprechen wird dann als Logophobie einem spezifischen Subtyp zugeordnet.

Ursache von Redeangst

Emotional besetzte Erlebnisse in der Kindheit und Jugend prägen jeden Menschen. Deshalb entsteht der Nährboden für Redeangst oder Sprechangst meist in der Kindheit. Die Angst vor Ablehnung gehört zu den Urängsten der Menschheit. Sie kann in der Kindheit des Individuums durch ein einziges, als negativ empfundenes Erlebnis ein Verhaltensmuster entstehen lassen, das ein Leben lang bestehen bleibt. Eventuell ein misslungenes Referat in der Schule, bei dem man ausgelacht wurde. Oder bei einer ähnlichen Situation gab es Kritik von einer Bezugsperson (Lehrer). Vermeidungsverhalten verstärkt dann die Angst und endet in einem Teufelskreis, den die Betroffenen oftmals ohne Hilfe nicht durchbrechen können.

Redeangst oder Sprechangst kann sich aber auch durch bestimmte Meta-Muster der Grundpersönlichkeit einer Person entwickeln. Übertriebene Strukturiertheit oder Perfektionismus können dazu beitragen, die Aufmerksamkeit von einer Menschengruppe nicht aushalten zu können. Aber auch Menschen mit wenig Selbstbewusstsein können eine Redeangst entwickeln. Ebenso ist Introvertiertheit ein Nährboden für die Entstehung von Angst vor Gruppen zu sprechen.

Redeangst kann sich sogar bis zu einer Panik steigern.

Im Gegensatz zum „normalen“ Lampenfieber kann Redeangst Betroffene komplett blockieren. Manche von ihnen berichten, dass sie vor Freunden und Verwandten durchaus ohne Schwierigkeiten stehen und ganz entspannt etwas vortragen oder erzählen können. Aber vor einer offiziellen fachlichen Präsentation können sie allerdings Tage oder Wochen vorher eine Panik entwickeln. Der Grund dafür: Sie haben Angst einen Fehler zu machen und sich zu blamieren. Selbst wenn sie wissen, dass ihre Angst unbegründet ist, hilft das von Redeangst Betroffenen selten weiter: Die Furcht vor dem Versagen ist stärker.

Gehirne zeigen auch bei Redeangst wenig Kooperationsbereitschaft

Menschliches Verhalten und Empfinden entstehen zu über 90 Prozent auf der unbewussten Ebene. Anders ausgedrückt: Über 90 Prozent von allem was wir tun, macht unser Gehirn quasi ganz ohne uns. Sozusagen vollautomatisch. Und das Gehirn fragt uns nicht einmal, ob uns das gefällt, was es für uns tut. Dieser Grundsatz gilt auch bei Sprechangst. Wer seine Redeangst überwinden möchte, sollte sich mit den unbewussten Prozessen befassen. Auf der bewussten Ebene ist es für viele Betroffene durch Atemübungen, Entspannungstechniken, Autogenes Training, Rhetorik-Kursen usw. nicht möglich, ihre Ängste und körperlichen Reaktionen aufzulösen. Ich halte es deshalb für reine Zeitverschwendung, es zu versuchen, denn Gehirne sind nicht kooperativ und ihnen ist es egal, wie es Ihnen geht.

Fast alle Tipps gegen Redeangst bekämpfen lediglich die Symptome und helfen in der akuten Angstsituation. Sie lösen aber die mentale Blockade nicht auf, die Redeangst entstehen lässt.

Kommunikationsangst und Redeangst werden oft durch innere Überzeugungen begründet, zu scheitern und sich lächerlich zu machen. Oftmals haben wir Überzeugungen und Annahmen über uns selbst (innerer Konflikt), die uns daran hindern, unser wahres Potential zu entfalten. Mit diesen Konflikten können wir nicht authentisch werden und gelassen vor der Gruppe stehen.

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Diese unbewussten Denkmuster können aber aufdeckt und in konstruktive interne Kommunikationsmuster umgewandelt werden. So können Sie in Zukunft sogar Freude empfinden, wenn Sie eine Rede halten und die Aufmerksamkeit auf Sie gerichtet ist.

Wer sich selbst und seine Stärken kennt, stärkt sein Selbstbewusstsein vor der Gruppe.

Der Mensch hat 2 Gehirne, die bei Redeangst in einem Konflikt stehen

Es gibt Individuen, die vor Publikum ganz frei und gelassen sprechen können. Sie sind dabei auch noch absolut natürlich und wirken authentisch. Für Menschen mit Redeangst ist es unverständlich, dass Gelassenheit vor Gruppen überhaupt möglich ist. Wer unter Sprechangst leidet wirkt meist alles andere als gelassen, verliert den roten Faden, stottert und schwitzt. Das kommt beim Publikum in der Regel eher weniger gut an.

Es gibt viele gut gemeinte Ratschläge, wie man seine Angst vor Vorträgen und dem Präsentieren überwinden kann. Doch wirklich authentisch werden können Sie erst, wenn das kognitive Gehirn und das limbische System (emotionale Gehirn) im Einklang sind. Anders ausgedrückt: Authentisch und gelassen vor der Gruppe stehen können Sie nur wenn Ihr Verstand und Ihre Emotionen eine einheitliche Sprache sprechen.

Damit alle Ebenen der Kommunikation die gleiche Botschaft senden, muss man sich vor der Gruppe von hinderlichen Selbstbewertungen und inneren Konflikten lösen. Erst dann sind Sie authentisch und können einer Redehemmung entgegenwirken.

Redeangst überwinden - Gelassen und sicher präsentieren

Mein Buch „Redeangst überwinden“ erscheint am 31. August 2018 im Buchhandel

Das Gegenteil von Redeangst

Im Kern geht es bei Freud und bei C.G. Jung (beide sind sozusagen die Urväter der Psychoanalyse) um innere Abspaltungen von Persönlichkeitsanteilen, inneren Konflikten zwischen Instanzen, Verdrängungen und Abwehrmechanismen.

Diese inneren Konflikte erzeugen Selbstbewertungen (ICH bewerte MICH) und sie sind dem Individuum nicht bewusst, denn sie sind als Muster im Unbewussten abgespeichert.

In der praktischen Arbeit mit meinen Klienten im Kontext Redeangst (und auch bei fast allen neurotischen Störungen) habe ich beobachtet, dass es tatsächlich einen unbewussten Konflikt zwischen dem Verstand und den Emotion/Gefühlen geht.

Der Verstand sagt, dass man eigentlich keine Angst vor einer Gruppe von Menschen haben muss. Trotzdem reagiert der Körper mit Angstsymptomen.

Der innere Konflikt kann mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Anders ausgedrückt: Zwei Teile der Persönlichkeit arbeiten nicht kongruent zusammen. Man könnte auch sagen, die beiden Anteile sind nicht synchronisiert.

Bei meinen Klienten, die unter Redeangst leiden, stehen vereinfacht ausgedrückt, Denken und Fühlen (bei Freud heißt es ÜBER-ICH und ES) in einem Konflikt.

Werden die beiden Anteile synchronisiert, was das Ziel meines Coachings ist, löst sich die Redeangst auf.

Anders ausgedrückt: Wenn der Verstand und die Emotionen eine Einheit bilden, können Sie Ihre Redeangst überwinden.

Wird ein innerer Konflikt aufgelöst, wird ein Mensch authentisch. Das Gegenteil von Redeangst ist demnach (vereinfacht ausgedrückt) Authentizität.

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Gelassenheit entsteht durch das Gegenteil von Angst

Kritisch sich selbst gegenüber zu sein, ist kein Fehler. Das ist nützlich, damit wir uns stetig verbessern und unser Verhalten reflektieren. Doch oftmals haben Menschen Überzeugungen und Annahmen über sich selbst, die sie daran hindern, ihr wahres Potential zu entfalten.

Meist haben diese (meist unbewussten) Glaubenssätze ihren Ursprung in früheren, schlechten Erfahrungen oder einfach nur in Aussagen von Bezugspersonen, die man als wahr angenommen und verinnerlicht hat. Die destruktiven Annahmen über uns selbst vermindern unser Selbstbewusstsein und erschweren es, gelassen vor Menschen zu reden.

Will man einen Vortrag vor Publikum halten, brauchen Sie als Redner möglichst ein gutes Gefühl, nicht wahr? Denn ein gutes Gefühl ist das Gegenteil von Angst.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was genau ist zu tun, damit Sie ein gutes Gefühl vor der Gruppe bzw. vor Ihrem Publikum bekommen?

Gelingen wird Ihnen das zunächst nur, wenn Sie Gedanken über sich haben, die in Ihnen gute Gefühle entstehen lassen. Klingt logisch und eigentlich ist es eine Banalität und nicht wirklich etwas Neues.

Also, machen Sie sich Gedanken über sich selbst, die Ihnen gute Gefühle machen. Denn Sie brauchen eine wichtige Fähigkeit, um gelassen vor Menschen stehen zu können. Sie müssen die Fähigkeit beherrschen, Aufmerksamkeit von Menschen ertragen zu können. Anders ausgedrückt: Sie müssen Nähe von Menschen ertragen. Das bedeutet natürlich auch, dass Sie selbst auch Menschen nahe sein können.

Und einem Menschen müssen Sie unbedingt nahe sein können: sich selbst.

Das wiederum geht nur mit Gedanken, die Sie nicht dazu bringen, zu sich selbst nicht aufmerksam zu sein.

Anders ausgedrückt: Wenn Sie Ihre Redeangst überwinden möchten, müssen Sie unbedingt mit Ihren Gedanken aufmerksam zu sich selbst sein

Redeangst überwinden

Nachhaltiges Lernen geschieht durch positive Gefühle, davon ist der Neurobiologe Prof. Hüther ist überzeugt.

Effizientes Lernen kann nur durch eine Aktivierung von Emotionen gelingen.

Theoretisches Lernen und langweilige Theorie können sich nicht langfristig in unserem Gehirn festsetzen und eingefahrene (unbewusste) Redeangst-Muster durch hilfreichere authentische Muster „überschreiben“ oder ersetzen.

Deswegen ist es auch wenig hilfreich, sich theoretisch mit Präsentationstechniken oder Tipps und Tricks auseinanderzusetzen. Dies mündet meist lediglich darin, dass man vor der Gruppe gekünstelt und inkongruent wirkt.

Man möchte Selbstsicherheit ausstrahlen, zeigt aber durch Körpersprache und Mimik das genaue Gegenteil.

Wird das Lernen allerdings mit positiven Emotionen verknüpft, wird das neue Wissen tiefer und langfristiger, im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Haut“ gehen. Dann können Sie wirklich authentisch werden und gelassen vor der Gruppe stehen. Wenn Sie Ihre Redeangst überwinden möchten, müssen neue Muster in Ihrem Gehirn angelegt werden, die durch konstruktive, emotionale Aktivierung entstehen.

Redeangst Therapie oder Coaching?

Redeangst ist weder eine Krankheit noch eine psychische Störung. Der Begriff Redeangst Therapie ist deshalb aus meiner Sicht nicht passend. Im Kontext Redeangst therapiere ich meine Klienten nicht, sondern unterstütze sie dabei, Aufmerksamkeit von anderen Menschen gelassen auszuhalten.

Meine Redeangst Kurzeit-Coaching


Ohne diese Fähigkeit können Sie Redeangst nicht überwinden

Wenn Sie Ihre Redeangst besiegen wollen, ist eine Fähigkeit sehr nützlich: Sie müssen Aufmerksamkeit aushalten, weil Sie ihr vor der Gruppe nicht entkommen können. Wenn Sie vor Menschen stehen und reden, geht es nur um Sie. Sie stehen im Mittelpunkt des Geschehens, nicht die Rede. Wenn Sie vor Menschen reden sind Sie der Aufmerksamkeit der Anwesenden sozusagen ausgeliefert.

Aber wie lernt man die Fähigkeit „Aufmerksamkeit aushalten“?

Eigentlich geht es um Authentizität. Wenn Sie authentisch sind, fällt es Ihnen nicht schwer, von anderen Menschen Aufmerksamkeit zu erhalten. Es macht Ihnen nichts aus, wenn sich Menschen Ihnen zuwenden.

In einem 100-prozentigen authentischen Zustand (der kommt allerdings nur selten vor und Sie brauchen ihn auch nicht anstreben) könnten Sie vor der gesamten Weltbevölkerung stehen. Und Sie hätten sogar Spaß dabei oder würden es zumindest spannend finden, dass Ihnen die Welt zuhört.

Wenn Sie zu einhundert Prozent authentisch sind, sind Sie im Flow. Diesen Zustand können Sie aber nicht auf Dauer halten. Deshalb begnügen wir uns ruhig mit etwas weniger als einhundert Prozent.

Die Fähigkeit „Aufmerksamkeit auszuhalten“ können Sie mit mentalen Übungen trainieren. Das bedeutet, Sie trainieren diese Fähigkeit mit Ihrer Vorstellungskraft und laden Ihr Gehirn dazu ein, etwas Neues zu lernen: sich authentisch fühlen zu können.

Weil Gehirne wenig kooperativ sind, tricksen Sie Ihr Gehirn ein wenig aus

Da der Neocortex, der Teil, wo das Denken stattfindet, nicht wirklich kooperativ ist, müssen wir einen kleinen Trick anwenden und ihn überlisten. Der Trick besteht darin, dass Sie sich beim Lernen mit einem anderen Teil Ihres Gehirnes verbinden, mit dem limbischen Gehirn. Das limbische Gehirn ist unter anderem für Emotionen zuständig.

Nur gibt es ein kleines Problem: Das limbische Gehirn kann nichts mit Wörtern anfangen.

Deshalb bringen kluge Ratschläge, die von einem anderen Neocortex oder vom eigenen kommen, Menschen mit Redeangst eher selten wirklich weiter. Zufällige „Heilungen“ durch Ratschläge können natürlich durchaus vorkommen.

Sprechen Sie limbisch

Das limbische Gehirn spricht seine eigene Sprache. Und diese Sprache werden Sie in den mentalen Übungen verwenden. Sie ist nicht direkt, sondern indirekt. Anders ausgedrückt: Die mentalen Übungen erzeugen auf eine indirekte Art und Weise etwas, das Ihnen dabei hilft, Neues zu lernen.

Und das „überzeugt“ dann den Neocortex. So braucht er keine Angst vor der Aufmerksamkeit anderer Menschen im limbischen System erzeugen.

Das limbische Gehirn „spricht“ (indirekt) mit dem Neocortex und sagt ihm so etwas wie: “Alles ist gut, genauso wie es ist.“ Das geschieht nur eben nicht direkt.

Wie bereits erwähnt, kommuniziert das limbische System nicht in Worte. Es drückt sich über den Körper aus. Das limbische Gehirn antwortet in Form von „Gelassenheit vor Menschengruppen“. Das möchten Sie doch, nicht wahr?

Das limbische Gehirn ist dafür verantwortlich, dass Sie Redeangst empfinden können, weil es einen direkten Zugang zu Ihrem Körper hat. Und der Befehl dazu kommt vom Neocortex, Ihrem Verstand.

Der Neocortex ist der Angst-Anstifter und das limbische Gehirn macht sie dann spürbar.

Wenn Sie zukünftig das limbische Gehirn „sprechen“ lassen, können Sie Gelassenheit vor der Gruppe empfinden. Möglicherweise werden Sie sogar Spaß bei Ihren Reden entwickeln. Wer weiß schon, was die Zukunft so alles zu bieten hat, nicht wahr?

Die mentalen Übungen für mehr Gelassenheit finden Sie hier:

Gelassen vor der Gruppe stehen

Fallskizze: Coaching bei Prüfungsangst und Redeangst

Frank S. kommt auf Anraten der Studienberatung in meine Praxis. Der 22jährige Psychologiestudent leidet unter extremer Prüfungs- und Redeangst. Das sei schon seit der Schule so. Das erste Mal wirkliche Schwierigkeiten habe er vor und während der mündlichen Abiturprüfung gehabt. Da sei er bei den einfachsten Fragen durcheinandergekommen, habe teilweise am Thema vorbei geantwortet, hatte „einfach ein Brett vorm Kopf“. Da die Prüfer ihn jedoch kannten und auch sehr verständnisvoll gewesen seien, habe er dennoch eine gute Note bekommen.

Sein Studium mache ihm sehr viel Spaß, erzählt Herr S. Es sei immer sein Traum gewesen, Psychologe zu werden und mit Menschen zu arbeiten. Seine Eltern würden ihn sehr darin unterstützen, ob- wohl sie sich sehr einschränken müssten, um ihm das Studium zu finanzieren. Obwohl er oft ein schlechtes Gewissen hat, weil er es nicht schafft nebenbei zu arbeiten, ist er seinen Eltern auch sehr dankbar.

Nun stehe in sechs Wochen das Vordiplom an. Der Klient muss dann innerhalb von zwei Monaten acht mündliche Prüfungen bei verschiedenen Professoren ablegen. Dass es mündliche Prüfungen sind, macht ihm die meiste Angst. Den Stoff beherrsche er längst, sei auch in mehreren Lerngruppen. Alle würden ihm ständig sagen, dass er sich nicht so verrückt machen solle, weil er die Prüfun- gen sowieso super machen würde. „Aber die anderen kennen mich ja auch, die wissen, was ich kann.“ Bei schriftlichen Prüfungen sei er zwar auch aufgeregt, habe aber nicht diese Versagensängste und werde nicht so „konfus“, da er in seinem eigenen Tempo arbeiten könne. Außerdem bleibe er bei Klausuren „ein Stück weit anonym, nur eine Nummer eben“. Das habe zur Folge, dass er in schriftlichen Arbeiten erheblich besser abschneide, als in mündlichen. Auch bei Referaten, die er im Rahmen seines Studiums regelmäßig vor den Mitstudenten halten müsse, sei er unkonzentriert und die ganze Zeit „knallrot“ im Gesicht. Jedes Mal habe er trotz guter Vorbereitung vorher Schlafprobleme, Durchfall, Kopfschmerzen und ihm sei schlecht. Einmal musste er sich vor einem Referat tat- sächlich vor Aufregung übergeben.

Herr S. malt sich jetzt schon aus, wie die Prüfer ihn „fertig machen“ können und ist sicher, ohnehin durchzufallen. Tagsüber lernt er wie besessen, um möglichst gut vorbereitet zu sein, teilweise bis zu 15 Stunden am Tag. Nachts hat er häufig Alpträume, wacht morgens „völlig fertig“ auf. Er hat das Gefühl, je mehr er lernt, desto weniger weiß er. Wenn er aber versucht, sich abzulenken, indem er mal mit Freunden ins Kino geht oder zum Sport, hat er ein schlechtes Gewissen und lernt hinterher bis spät in die Nacht, um die versäumte Zeit aufzuholen.

Erstgespräch

Erste Fragen an den Klienten. Mein Klient wünscht sich, dass wir zunächst an der Prüfungsangst arbeiten. Redeangst und Prüfungsangst seien für Ihn emotional auch irgendwie das Gleiche.

Die Fragen des Beraters sind im Folgenden kursiv gedruckt.

„Sind Sie zurzeit wegen dieser oder einer anderen Sache in psychotherapeutischer Behandlung?“

„Waren Sie bereits wegen dieser oder einer anderen Sache bei einem Psychologen oder in psychotherapeutischer Behandlung?“

„Gibt es oder gab es ähnliche Fälle in Ihrer Familie?“

„Liegt bei Ihnen eine psychische Krankheit vor?“

„Nehmen Sie zur Zeit Medikamente, wenn ja welche?“

„Haben Sie Stress?“

„Wenn ja, leiden Sie darunter?“

(Falls Stress zutrifft) „Erzählen Sie mir bitte mehr über Ihren Stress.“

„Was haben Sie in der Vergangenheit bereits an Lösungsversuchen unternommen?“

„Erzählen Sie mir bitte, wann Ihnen Ihr Thema zum ersten Mal bewusst geworden ist?“

„Was denken Sie in dem Zusammenhang zu diesem Thema selbst über sich?“

„Wie sehr schätzen Sie sich selbst?“

„Sind Sie glücklich? Sind Sie zufrieden mit dem, was Sie tun, bzw. studieren?“

„Erzählen Sie mir bitte ein wenig über Ihre Zukunft“.

„Was genau müsste hier in diesem Erstgespräch passieren, damit Sie sagen können, das Gespräch hat sich für mich gelohnt?“

„Woran genau würden Sie erkennen, dass Sie Ihre Schwierigkeit überwunden haben.“

„Nennen Sie mir dafür zwei konkrete Beispiele, die in Ihrem zukünftigen Leben eintreten könnten.“

„Nehmen wir an, Sie hätten Ihre Schwierigkeiten gelöst, was wäre dann anders für Sie?“

Anmerkung zum Erstgespräch

Der Berater verschafft sich im Erstgespräch auch einen ersten Eindruck über die Persönlichkeit seines Klienten. Dabei achtet er besonders auf die nonverbale Kommunikation seines Gesprächpartners und auf Inkonkruenzen.

Besonders interessiert sich der Berater für die Selbstwertschätzung seines Klienten, seine Eigenannahme und ob es möglicherweise einen inneren Konflikt bei ihm geben könnte, weil er vielleicht eine (unbewusste) Seite von sich ablehnt, was in der Beratungspraxis, insbesondere im Zusammenhang mit Ängsten häufiger vorkommt.

Die verbalen Fragen und vor allem das Pacing*(1) dienen im Erstgespräch dazu, eine Klientenbeziehung durch Rapport*(2) aufzubauen.

Diagnostik und Differenzialdiagnose

Die Diagnostik umfasst verschiedene Ebenen. Zuerst wird unterschieden, ob es sich bei der Angst des Klienten um normale oder krankhafte Angst handelt. Dazu müssen die Schwere der Symptomatik, die fehlende psychologische Ableitbarkeit und die Ausprägung der sozialen Beeinträchtigung berücksichtigt werden. Es wird außerdem geklärt, ob der Angstsymptomatik eine andere psychische oder körperlich begründbare Störung zugrunde liegt. Gibt es keinen Hinweis für das Vorliegen einer solchen Erkrankung, handelt es sich vermutlich um eine primäre Angstsymptomatik.

Die klinisch wichtigste Differenzialdiagnose ist die Abgrenzung zu normaler Angst. Besonders die Schwere der Angstsymptomatik, die fehlende psychologische Ableitbarkeit und auch die Ausprägung der sozialen Beeinträchtigung sind hierbei zu berücksichtigen.

Wichtig ist besonders die Differenzierung zwischen Angst und Depression.

(Literatur: Psychiatrie und Psychotherapie, MLP, H-J. Möller, G. Laux, Arno Deister, Seite 110 ff)

F40.1 soziale Phobien

Soziale Phobien beginnen oft in der Jugend, zentrieren sich um die Furcht vor prüfender Betrachtung durch andere Menschen in verhältnismäßig kleinen Gruppen (nicht dagegen in Menschenmengen) und führen schließlich dazu, dass soziale Situationen vermieden werden.

Für eine eindeutige Diagnose müssen alle folgenden Kriterien erfüllt sein:

1. Die psychischen, Verhaltens- oder vegetativen Symptome müssen primäre Manifestationen der Angst sein und nicht auf andere Symptome wie Wahn und Zwangsgedanken beruhen.

2. Die Angst muss auf bestimmte soziale Situationen beschränkt sein oder darin überwiegen.

3. Wann immer möglich, Vermeidung der phobischen Situation.

(Literatur: ICD-Kapitel V(F), H. Dilling, W. Mombour, M.H. Schmidt,
Seite 171 ff)

Prüfungsangst

Die Prüfungsangst ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistungsfähigkeit. Sie kann den Betroffenen daran hindern, sein Wissen bei einer Prüfung unter Beweis zu stellen. Sie kann aber auch zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit führen. Prüfungsangst ist nur in Sonderfällen als Krankheit einzustufen. Ihrer Zuordnung nach ist sie eine Sonderform der sozialen Bewertungsangst (sozialen Phobie). Prüfungsangst tritt bei Personen mit Lernbehinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten in einem größeren Ausmaß auf als bei Personen ohne solche Probleme.

Entstehung und Auswirkung

Die Prüfungsangst entsteht daraus, dass eine Person Angst (bzw. deren Symptome) vor oder während einer Prüfung verspürt. Die Betroffenen sind in Ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt. Prüfungsangst wird von ihnen aber auch gerne herangezogen, um unbefriedigende Leistungen oder „Denkblockaden“ zu rechtfertigen. Auch Prüfer können unter Prüfungsangst leiden. Z. B. bei Prüfungsunerfahrenheit oder in Kollegialprüfungen. Wie den Prüflingen stehen auch den Prüfern (nach Schenk) spezifische Methoden zum „autogenen“ und „heterogenen“ Spannungsabbau zur Verfügung.

Während der kognitiven Entwicklung kann sich Prüfungsangst erstmals im Alter von 8 bis 11 Jahren entwickeln. Oftmals werden schlechte schulische oder sportliche Leistungen als Ursache gesehen, die das Selbstwertgefühl der Betroffenen schwächt.
Ein gewisses Maß an Prüfungsangst kann durchaus nützlich sein, da sie für eine Prüfung leistungssteigernde Prozesse begünstigt, da das dadurch erhöhte Erregungsniveau zu einer Steigerung von Konzentration, Aufmerksamkeit und Energie führt.

Krankheitswert

Die Prüfungsangst wird erst als krankhaft betrachtet, wenn sie eine erhebliche Beeinträchtigung des Patienten darstellt und Probleme im sozialen Umfeld auslöst, sowie die – besonders im Kindesalter – normale Entwicklung der Person verhindert. Sie bildet sich im ICD- Code nicht exakt ab, diese Klassifikation muss jedoch auch hier Anwendung finden.

In den USA wird diese Phobie, sofern die Einschränkung nachgewiesen und dokumentiert wird, über den Americans with Disabilities Act als Behinderung anerkannt. Es werden besondere Prüfungsabläufe angeboten, wenn der entsprechende Antrag mindestens 30 Tage vor Prüfungsbeginn eingereicht wird. Prüfungsangst wird allerdings für gewöhnlich nicht von vornherein als entsprechende Behinderung im Sinne des Gesetzes anerkannt

Prüfungsangst Wikipedia

Ansätze des Beraters

Der Berater arbeitet mit Ansätzen aus dem Neurolinguistischen Programmieren und den systemischen und lösungsorientierten Verfahren.

Wenn Menschen zu uns in die Praxis kommen, berichten sie von ihren Schwierigkeiten, in dem sie uns Beispiele dafür aufzeigen. Ihre vielen Beispiele sind oftmals Inhalte von einem einzigen Prozess. Da aber Inhalte unendlich sein können, ist es meistens für den Menschenhelfer hilfreicher, wenn er seine Aufmerksamkeit auf den Prozess und nicht auf die Inhalte richtet.

Ich habe in meiner Praxis immer wieder die Erfahrung gemacht, dass mich die Prozessinhalte von meiner eigentlichen Arbeit eher ablenken, wenn ich ihnen folge oder mich von ihnen führen lasse.

Richtet ein Berater seine Aufmerksamkeit auf die Inhalte, besteht das wesentliche Risiko darin, dass er sich in der Unendlichkeit der Inhalte verliert.

Wenn der Menschenhelfer in Beratungen seine Aufmerksamkeit jedoch auf den Prozess richtet, lernt er etwas über die Einschränkungen seiner Klienten. Der Berater gelangt auf eine Meta-Ebene und kann hier gezielt Ressourcen der Klienten aktivieren, so dass ihnen zukünftig in den Lebenssituationen, in denen sie bislang eingeschränkt waren und deshalb zu ihm kommen, Wahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Meine Aufgabe als Berater besteht in diesem Fall darin, den Angstprozess von Frank S. zu evozieren. Anders ausgedrückt bedeutet dies, ich möchte die Angststrategie meines Klienten lernen. Menschen tendieren dazu, ihr Verhalten und auch ihr Empfinden durch bestimmte individuell gelernte Strategien zu erzeugen. Diese Strategien sind den Klienten allerdings nicht bewusst, denn sie laufen meistens, meiner Erfahrung nach eigentlich immer, auf der unbewussten Ebene ab.

Das Neurolinguistische Programmieren, kurz NLP genannt, liefert das Handwerkzeug um Prozesse dieser Art zu evozieren. Als Hilfsmittel bediene ich mich dabei der Sprache, wobei ich meine Aufmerksamkeit auf die Tiefenstruktur und weniger auf die Oberflächenstruktur der Sprache richte.

Wenn Klienten die Sprache als Repräsentationssystem gebrauchen, schaffen sie ein Modell ihrer Erfahrungen. Dieses Modell der Welt, das sie durch ihren repräsentierenden Gebrauch der Sprache schaffen, beruht auf ihren Wahrnehmungen. Zweitens gebrauchen sie ihre Sprache, um ihr Modell bzw. Ihre Repräsentation der Welt anderen mitzuteilen. Wenn Klienten ihre Sprache zur Mitteilung gebrauchen, nennen wir es Reden. Das bedeutet, wenn sie ihre Sprache für die Kommunikation mit dem Berater gebrauchen, legen sie ihm ihr Modell der Welt vor. Das Modell der Welt des Klienten ist allerdings nur ein Abbild der wirklichen Welt.

Tiefenstrukturen sind vollständige sprachliche Repräsentationen der Erfahrung des Klienten, die in vielerlei Arten von der Erfahrung des Klienten abweichen. Es gibt drei Eigenschaften, die allen Prozessen menschlicher Modellbildung gemeinsam sind: Tilgung, Verzerrung und Generalisierung, mit denen Menschen alle Repräsentationen ihrer Erfahrung erstellen.

So betrachtet, entspricht die Wiedergewinnung der vollständigen Tiefenstruktur aus der Oberflächenstruktur dem Aufdecken des vollständigen sprachlichen Modells der Welt des Klienten; die Hinterfragung der Tiefenstruktur des Klienten ist zugleich eine Hinterfragung der vollständigen sprachlichen Repräsentation des Klienten.

Die Prozesse, durch die Menschen ihre Repräsentation der Welt einschränken, sind dieselben Prozesse, durch die sie den Ausdruck Ihrer Repräsentation der Welt einschränken. Die Art, in der Menschen sich Leiden schaffen, umfasst diese Prozesse. Durch sie haben sie ein verarmtes Modell geschaffen. Auf der Meta-Ebene ist es möglich, diese Prozesse zu hinterfragen, um das Modell des Klienten zu bereichern.

Der Beratungsprozess (Termin 1 und 2)

Der Einstieg in den Prozess. Der Berater richtet seinen Fokus auf den Angstprozess. Er möchte sozusagen lernen, wie sein Klient es macht, Angst zu haben. Er geht der Frage nach dem „WIE“ nach.

Ist, Soll und Beratungsablauf

Skalierungsfrage

Ist-Zustand: „Bewerten Sie bitte auf einer Skala von 0 bis 10 Ihren jetzige Prüfungsangst, wobei „0“ für keine Prüfungsangst und „10“ für extreme Prüfungsangst steht.“

Soll-Zustand: „Geben Sie bitte jetzt auf der Skala den Wert an, den Sie als Sollwert anstreben.“

Als Ob Frage

„Tun Sie doch mal so, als ob Sie diesen Wert auf der Skala bereits erreicht hätten.
Was ist jetzt für Sie anders? Was für ein Mensch sind Sie jetzt? Wie genau erleben Sie Ihre mündlichen Prüfungen? Beschreiben Sie mir genau, anhand einer Prüfungssituation, was Sie sehen, hören, fühlen, riechen und schmecken.“

Anmerkung: Der Klient wird vom Berater in eine leichte Trance geführt und er bekommt eine Vorstellung davon, wie es ist, wenn er sein Ziel bereits erreicht hätte. (Unterstützung der Motivation)

Eine erste Zusammenfassung

Klient und Berater einigen sich auf sechs Termine verteilt auf 3 Wochen um möglichst schnell den Veränderungsprozess einzuleiten. Beim sechsten Termin entscheiden Berater und Klient, ob weitere Sitzungen notwendig sind. Der Berater macht dem Studenten das Angebot, ihn bis zum Ende seiner Prüfungsphase zu begleiten und auch telefonisch den Kontakt mit ihm aufrecht zu halten, um eine Erfolgskontrolle zu garantieren.

Der Berater fasst zusammen

Aussagen des Klienten, die der Berater notiert hat und hinterfragen wird.

1. Bei der mündlichen Abiturprüfung sei er bei den einfachsten Fragen durcheinandergekommen.
2. Er, der Klient „hatte einfach ein Brett vorm Kopf“
3. Obwohl er oft ein schlechtes Gewissen hat, weil er es nicht schafft nebenbei zu arbeiten,……….
4. „Aber die anderen kennen mich ja auch, die wissen, was ich kann“
(Anmerkung: Diese Aussage ist für den Berater besonders interessant, weil sie in der Tiefenstruktur Möglichkeiten zum hinterfragen und refraimen*(3) eröffnet. Der Berater achtet hier besonders auf die nonverbale Kommunikation des Klienten.)
5. Bei schriftlichen Prüfungen sei er zwar auch aufgeregt, habe aber nicht diese Versagensängste und werde nicht so „konfus“, da er in seinem eigenen Tempo arbeiten könne.
6. Außerdem bleibe er bei Klausuren „ein Stück weit anonym, nur eine Nummer eben“.
7. Auch bei Referaten, die er im Rahmen seines Studiums regelmäßig vor den Mitstudenten halten müsse, sei er unkonzentriert und die ganze Zeit „knallrot“ im Gesicht.
8. Er, der Klient, malt sich jetzt schon aus, wie die Prüfer ihn „fertig machen“ können und ist sicher, ohnehin durchzufallen.

Unstrukturiertes Fragen

Fragen zu Aussage 1

„Beschreiben Sie mir genau was Sie mit „durcheinanderkommen bei der Abiturprüfung“ meinen.“

Fragen zu Aussage 2

„Was meinen Sie mit „ich hatte ein Brett vor dem Kopf“?“

Fragen zu Aussage 3

„Was meinen Sie mit „ein schlechtes Gewissen“ zu haben, weil Sie es nicht schaffen, nebenbei zu arbeiten.“

Fragen zu Aussage 4

„Was bedeutet es für Sie, wenn Sie jemand kennt?“

„Und was bedeutet es für Sie, wenn Sie jemand nicht kennt?“

„Nehmen wir einmal an, die Prüfer würden Sie kennen und wüssten genau was Sie können, würde das einen Unterschied für Sie machen?“

Fragen zu Aussage 5

„Was genau ist bei schriftlichen Prüfungen anders, als bei mündlichen Prüfungen?“
Arbeit in Trance

Erleben einer schriftlichen Prüfung in Trance

Der Berater führt den Klienten in eine leichte Trance und lässt ihn eine schriftliche Prüfung erleben. Während der Trance bittet der Berater den Klienten, die Submodalitäten*(4) seiner Sinneskanäle (sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken) zu beschreiben.

Der Berater lässt den Klienten eine zweite schriftliche Prüfung in Trance erleben und lässt sich wieder die Submodalitäten beschreiben. Danach erfolgt ein drittes Prüfungserleben. Der Berater trägt die Submodalitäten in eine Tabelle ein.

Erleben einer mündlichen Prüfung in Trance

Der Berater führt den Klienten erneut in eine Trance, lässt ihn nun aber eine mündliche Prüfung erleben. Der Berater entscheidet, den Klienten nur zwei mündliche Prüfungen erleben zu lassen, weil er seine Anspannung wahrnimmt.
Der Berater trägt die Submodalitäten in die Tabelle ein und vergleicht sie mit den Submodalitäten des Erlebens der schriftlichen Prüfung.

Die Arbeit mit Submodalitäten ist im Neurolinguistischen Programmieren eine Möglichkeit, Erfolge der Veränderungsarbeit bei den Klienten auf einer nonverbalen Ebene zu überprüfen. (Erfolgskontrolle)

Weitere Fragen an den Klienten

„Beschreiben Sie mir bitte den Unterschied in dem Erleben einer schriftlichen und einer mündlichen Prüfung. Was genau unterscheidet die Prüfungen in Ihrem Erleben? Achten Sie dabei besonders auf Ihr Gefühl.“

Der Berater lässt den Klienten jetzt erzählen und führt ihn dabei noch einmal in eine leichte Trance.

„Bitte tun Sie jetzt einmal so, als könnten Sie bei der mündliche Prüfung in Ihrem eigenen Tempo arbeiten. Was ist jetzt anders? Achten Sie bitte wieder auf Ihr Gefühl. Sind Sie auch jetzt konfus?“

Der Berater geht einen Schritt weiter

(Der Klient ist noch immer in leichter Trance) „Jetzt arbeiten sie bitte bei der mündlichen Prüfung in Ihrem eigenen Tempo und stellen sich bitte vor, die Prüfer würden Sie kennen und wüssten, was Sie können? Achten Sie wieder auf Ihr Gefühl.“

Der Klient wird aus der Trance geführt. Berater und Klient machen eine kurze Pause. (Unterbrecher)

„Was genau war jetzt anders für Sie in der mündlichen Prüfung?“

Fragen zu Aussage 6

„Wenn Sie bei einer Prüfung anonym sind, was ist da für Sie anders? Angenommen, Sie könnten bei einer mündlichen Prüfung anonym sein, was würde das bedeuten?“

Berater und Klient simulieren eine „anonyme mündliche Prüfung“. Der Klient stellt sich in einer leichten Trance vor, dass er sich mit den Prüfern nicht in einem physischen Raum befindet, sondern die Prüfungsfragen werden ihm in einem Chatroom gestellt und auch hier von ihm beantwortet. Das Prüfungstempo bestimmt in der ersten Simulation der Prüfer, in einer zweiten Simulation der Klient.

„Was war jetzt bei der Chatroom-Prüfung anders? Gab es Unterschiede in Ihrer Wahrnehmung bei den unterschiedlen Tempi?“

Fragen zu Aussage 7

„Wenn Sie ein Referat vor Ihren Mitstudenten halten, gibt da einen Unterschied zu einer Prüfungssituation? Spielt die Anzahl der Studenten eine Rolle? Was würde es für Sie bedeuten, wenn es nur männliche Studenten wären? Was würde es bedeuten, wenn es nur weibliche Studenten wären? Gibt es einen Unterschied bei einem Referat vor Studenten, wenn keine Lehrkraft anwesend ist? Macht es einen Unterschied, ob die Lehrkraft männlich oder weiblich ist? Inwiefern spielt das Alter der Lehrkraft eine Rolle?“

Der Berater führt den Klienten in eine leichte Trance und lässt ihn die unterschiedlichen Referatsituationen in allen Kombinationen erleben. Der Berater überprüft auch die Gruppengröße, bei der das einschränkende Gefühl entsteht, indem die Gruppe jedes Mal um 2 Teilnehmer vergrößert wird.

„Wenn die Studentengruppe Sie kennen würde, würde das einen Unterschied für Sie machen? Angenommen, Sie würden das Referat vor den Studenten in Ihrer Wohnung halten, wäre das anders für Sie?“

Auch diese Situation erlebt der Klient in einer leichten Trance.

Fragen zu Aussage 8 (Glaubenssatz)

„Beschreiben Sie mir bitte, wie genau die Prüfer Sie fertigmachen können? Was machen die Prüfer, um Sie fertigzumachen? Und was denken Sie, ist das Motiv der Prüfer, sie fertigzumachen?“

Time Line Arbeit in Trance*(4)

Der Berater führt den Klienten in eine leichte Trance und lässt ihn das Gefühl seiner Prüfungsangst kurz erleben. Er ankert *(5) das Gefühl und lässt den Klienten auf seiner Time Line bis an die Stelle in seiner Vergangenheit zurück gehen, an der er dieses Gefühl zum ersten Mal hatte. Der Berater bittet den Klienten, sein Erleben assoziiert.*(6) zu beschreiben.

„Beschreiben Sie mir bitte genau, welche Personen an der Situation, die Sie erleben, beteiligt sind.“

Der Berater lässt den Klienten jetzt die Situation dissoziiert *(7)erleben.

„Mit welchen Ressourcen hätte der Frank diese Situation damals besser bewältigt. Was genau hätte ihm geholfen?“

Der Berater ankert die Ressourcen, die sein Klient aufzählt und führt ihn auf der Time Line wieder in das Hier und Jetzt zurück. Auf der Time Line erlebt der Klient nun einige mündliche Prüfungssituationen und Situationen, die er als prüfend empfindet, mit den geankerten Ressourcen.

Der Berater entscheidet spontan eine Trance durchzuführen, in der der Klient drei Situationen erlebt, die in der Zukunft geschehen könnten und die er, der Klient, als prüfend empfindet.

Der Klient beschreibt, dass er die prüfenden Situationen, die er in der Trance erlebt, anders empfindet als sonst. Der Berater achtet bei der Aussage des Klienten besonders auf seine nonverbale Kommunikation.
Weitere Fragen an den Klienten

„Was müsste bei einer mündlichen Prüfung anders sein, damit Sie dieses einschränkende Gefühl nicht hätten?“

„Wie genau müssten die Prüfer in einer mündlichen Prüfung sein, damit Sie dieses einschränkende Gefühl nicht haben? Was wäre, wenn die Prüfer z.B. 30 Jahre alt sind, wie ist es, wenn sie 35, 40, 50, oder 60 Jahre alt sind? Spielt es eine Rolle ob die Prüfer weiblich oder männlich sind?“

„Angenommen die Prüfer würden in einer bestimmten Beziehung zu Ihnen stehen, würde dass Ihre Prüfungsangst verringern? Was wäre das für eine Beziehung oder wie wäre die Beziehung?“

Der Berater fasst zusammen

Nicht die Dinge an sich beunruhigen die Menschen,
sonder die Vorstellung von den Dingen.

Menschliches Verhalten und auch menschliches Empfinden (Gefühle) werden zum größten Teil durch unbewusste Prozesse gesteuert oder ausgelöst. Oftmals kann die Vorstellung einer bestimmten zukünftigen Situation, einen Prozess auslösen, der Menschen in einen einschränkenden Zustand führt, den sie als Gefühl von Angst beschreiben und der durchaus auch körperliche Reaktionen erzeugen kann, wie z.B. Herzrasen, Schwitzen, Atemnot etc. .

Zum Beispiel kann eine Situation in der Kindheit, die als ängstlich empfunden wurde (vielleicht ein prüfender Blick), sich als generalisiertes Programm manifestieren.

Die Vorstellung einer bevorstehenden Situation, in der die Person prüfenden Blicken ausgesetzt ist, kann dieses „Programm“ im späteren Leben jederzeit wieder ablaufen lassen. Möglicherweise werden einschränkende Glaubensätze (die Prüfer werden mich fertig machen), als Erklärungsversuche für die Angst
hinzugeführt und die Angststrategie dadurch weiter manifestiert.

Glaubenssätze haben nichts mit Wahrheit zu tun.
Glaubenssätze haben mit Glauben zu tun.
Sie sind Leitfäden für unser Verhalten.

Weiterführende Veränderungsarbeit (Termin 3 bis 6)

Der Berater entscheidet sich für ein lösungsorientiertes Arbeiten mit Ansätzen und Techniken aus dem Neurolinguistischem Programmieren und der modernen Hypnose. Seine Schwerpunkte und Techniken bei der Arbeit sind:

Integration von Ressourcen, Auflösung von Glaubensätzen, Dissoziationsübungen, Veränderungsarbeit in Trance, Arbeit mit Submodalitäten, Refraiming, Arbeit mit der Time-Line, Future-Pace *(8)

Für die weiterführende Arbeit werden vier Termine vereinbart.

Erfolgskontrolle

Der Berater überprüft während des Veränderungsprozesses auf der verbalen und der nonverbalen Ebene die Fortschritte seiner Arbeit durch Abfragen der Submodalitäten in simulierten Prüfungssituationen. (Future- Pace *(8))

Lernstrategien

Klient und Berater diskutieren geeignete Lernstrategien, die dem Klienten dabei helfen sollen „unverkrampfter“ zu lernen. Dem Klienten wird bewusst, dass es nützlich ist, beim Lernen eine Pause zu machen, wenn er bemerkt, dass sein Gehirn nicht mehr aufnahmefähig ist, oder er sich nicht mehr ausreichend konzentrieren kann. Klient und Berater simulieren in Trance einige verkrampfte Lernsituationen und der Klient lernt die Signale seines Körpers kennen, die für das Pausenzeichen stehen.

Mit dieser Übung wird der sechste Termin beendet.

Klient und Berater bleiben weiterhin telefonisch im wöchentlichen Rhythmus in Kontakt bis beide mit der Veränderungsarbeit zufrieden sind.

Zwei Tage vor der ersten mündlichen Prüfung lässt sich der Klient von seinem Berater in eine Entspannungshypnose führen.

Glossar

(1) Pacing
Eine Methode, die in der Kommunikation benutzt wird, um schnell Rapport herzustellen, indem sie bestimmte Bestandteile ihres Verhaltens dem Menschen angleichen, mit dem sie kommunizieren: das Angleichen oder Spiegeln des Verhalten.

(2) Rapport
Die Anwesenheit von Vertrauen, Harmonie und Kooperation in einer Beziehung.

(3) Refraiming
Umdeuten: Beim Refraiming wird der Bezugsrahmen einer Aussage verändert oder ausgewechselt.

(4) Time Line
Das System, mit dem unser Gehirn Erinnerungen anordnet.

(5) Anker
Der Prozess, eine innere Reaktion mit einem äußeren Auslöser zu assoziieren, sodass die reaktion schnell wieder zugänglich gemacht werden kann. Signale können visuell, auditiv, kinästhetisch, olfaktorisch und/oder gustatorisch sein.

(6) Assoziieren
Eine Erfahrung aus dem eigenen Körper heraus erleben. Durch die eigenen Augen sehen, mit den eigenen Ohren hören usw.. Erlebt man eine Erinnerung assoziiert, so erinnert man sich an die entsprechende Situation, als würde man sie aus seinem eigenen Körper heraus erleben. Man kann von sich selbst das Gesicht nicht sehen.

(7) Dissoziieren
Trennung, Apspaltung: Einen Schritt von einer Erfahrung entfernt sein, sie gleichsam von außen sehen, hören oder fühlen. Z. B. sieht man sich in einer Dissoziation selbst in der Situation.

(8) Future Pace
Der Prozess, eine zukünftige Situation mental einzuüben, um sicherzustellen, dass das gewünschte Verhalten natürlich und automatisch auftritt.

Redeangst überwinden – weiterführende Links

Gelassen vor der Gruppe stehen mit dem 7-Punkte-Programm
Was ist Lampenfieber
Redeangst Kurzzeit-Coaching
Authentisch werden und Redeangst besiegen

Aktualisiert am 15.07.2018

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