Panikattacke – wie Panik entsteht und aufgelöst werden kann

Kennzeichen einer Panikstörung: wiederkehrende schwere Panikattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken. Deshalb sind sie auch nicht vorhersehbar. Die Panikstörung ist sozusagen eine kondensierte, schwere Angststörung. Die Beschwerden setzen bei einer Panikattacke ganz plötzlich ein und steigern sich innerhalb einiger Minuten zu einem Höhepunkt.

Kennzeichen einer Panikstörung: wiederkehrende schwere Panikattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken.

Inhaltsangabe

Panikattacken Ursachen
Panikattacken Medikamente
Panikattacke Dauer
Panikattacke Test
Panikattacke Therapie
Panikattacke nachts
Panikattacken bekämpfen
Panikattacken was tun?

Panikattacken – kurz und knapp

Panikattacken und Angstzustände sind weit verbreitet.

Zwischen 5 und 25 Prozent aller Menschen sind irgendwann in ihrem Leben von einer Angststörung betroffen, belegen verschieden Studien.

Gewisse Situationen oder Gedanken können uns in Angstzustände versetzen. Das ist völlig normal und prinzipiell überhaupt nichts Schlimmes und absolut menschlich.

 

 

Man spricht von einer Angststörung erst dann, wenn Panikattacken oder Angstzustände

  1. unbegründet
  2. unangemessen
  3. und zum Teil dauerhaft auftreten.

Eine Angststörung äußert sich oftmals auf körperlicher und psychischer Ebene.

Grundsätzlich ist Angst zunächst einmal überhaupt nichts Negatives -­‐ auch wenn viele Menschen dies anders bewerten.

Angst ist ein Gefühl, mit dem uns die Evolution ausgestattet hat -­‐ und das aus gutem Grund. Denn dieses grundlegende Gefühl hilft uns, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren.

Angst lässt uns vorsichtig sein und erhöht unsere Aufmerksamkeit, was manchmal sehr nützlich sein kann.

Begründete Angst setzt die nötigen Energien frei, um entschlossen zu handeln, Schutzmaßnahmen zu ergreifen oder Herausforderungen anzunehmen und innere Kräfte zu mobilisieren.

In erster Linie hat dies mit der menschlichen Evolution zu tun: Der Urmensch reagierte auf Bedrohung mit Flucht oder Angriff.

Jeder von uns kennt die begleitenden Körperreaktionen, die mit Angst verbunden sind: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller, Stresshormone werden ausgeschüttet, Körper und Geist sind leistungsbereit und hochkonzentriert.

Nach der Stress-Situation klingt die Angst wieder ab und das Gefühl der Entspannung kehrt zurück.

Auch wenn die Angstsituationen der Urmenschen andere waren als die in unserer Zeit, so stehen wir regelmäßig Situationen gegenüber, die Ängste auslösen können: Finanzielle Probleme, Verlust des Arbeitsplatzes, Sorge um nahestehende Menschen, Krankheit und Tod, Arztbesuche, Prüfungen, Vorträge, lange Reisen, Fahrten mit Auto oder Flugzeug.

Die Liste kann beliebig fortgesetzt werden.

Manche dieser Situationen werden als Bedrohung erlebt, obwohl, objektiv gesehen, von ihnen überhaupt keine unmittelbare Gefahr ausgeht.

Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Angstniveau. Es kann von einem mulmigen Gefühl bis hin zu heftigen körperlichen Beschwerden reichen.

Angst vor konkreten Situationen oder Dingen (phobisches Verhalten) ist relativ häufig. Auch Menschen, die mutig und selbstbewusst ihr Leben meistern, können davon betroffen sein.

Solche Ängste sind meist lästig und für manche Lebensbereiche auch überaus hinderlich. Mit gezielten Maßnahmen lassen sie sich recht gut in den Griff bekommen.

Es gibt aber auch Angstgefühle, die von Betroffenen nicht eindeutig zuzuordnen sind.

Manche Menschen reagieren insgesamt ängstlicher auf die unterschiedlichsten Stresssituationen und Herausforderungen, können aber immer noch damit umgehen und sich selbst beruhigen.

Schwere Krankheiten und Lebenskrisen können berechtigte Ängste auslösen. Sie können kurzfristig das gesamte Wahrnehmen und Erleben dominieren und den Betroffenen lähmen.

Nach einer gewissen Zeit kommt es zu einem angemessenen Umgang mit der Situation und die Angstgefühle schwächen sich wieder ab.

Wenn Ängste jedoch die Gefühlswelt dauerhafter belasten, den Alltag beherrschen und die eigene Handlungsfähigkeit einschränken, ist es sehr sinnvoll, nach der Ursache dafür zu suchen. Es kann eine ernsthafte Angststörung oder eine andere psychische Problematik vorliegen. Dann ist auf jedem Fall therapeutische Hilfe notwendig.

Krankhafte Ängste können Sie oft in ganz normale Lebenslagen blockieren. Angststörungen können sich auch in Panikattacken äußern.

Als Panikattacke wird das einzelne plötzliche und in der Regel nur einige Minuten anhaltende Auftreten einer körperlichen und psychischen Alarmreaktion ohne objektiven äußeren Anlass bezeichnet.

Oftmals ist den Betroffenen nicht klar, dass ihre Symptome Ausdruck einer Panikattacke sind.

Die ursprünglich der Energiebereitstellung (und damit dem Überleben) dienenden vegetativen Reaktionen im Körper werden als (lebens-­‐)bedrohlich erlebt, was die Panik weiter antreibt.

Menschen, die an einer Panikstörung leiden, erleben regelrechte Angstanfälle. Diese können auch immer wieder in bestimmten Situationen, an bestimmten Orten oder bei bestimmten Begegnungen ausbrechen.

Die Panikattacken können die Betroffenen aber auch grundlos, wie aus heiterem Himmel, überfallen.

Panikanfälle lösen teilweise sehr heftige körperliche Symptome aus. Nicht selten stehen diese im Vordergrund und die Betroffenen fürchten, ernsthaft erkrankt zu sein.

Typische Symptome einer Panikattacke sind:

  • Atemnot
  • Engegefühl in Brust und Kehle
  • Hyperventilation
  • Kribbelgefühle in Gesicht und Händen
  • Muskelkrämpfe
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • Zittern
  • Schwindel
  • Erbrechen
  • Angst, ernsthaft erkrankt zu sein oder zu sterben
  • Das Gefühl, neben sich zu stehen
  • Unwirkliche Wahrnehmung der unmittelbaren Umgebung

 

 

Panikanfälle dauern oft nur wenige Minuten. Sie können aber auch Stunden anhalten. Die Beschwerden gehen zurück und verebben langsam, sobald die Attacke ihren Höhepunkt erreicht hat.

Wer einmal eine heftige Panikattacke erlebt hat, entwickelt meist eine tief sitzende Angst vor einem erneuten Anfall. Die Angst vor der Angst kann sein alltägliches Leben mehr und mehr beherrschen. Das kann auch in einen sozialen Rückzug führen, der weitere psychische Probleme mit sich bringt.

Meistens sind Betroffene nicht mehr in der Lage, klare Gedanken zu fassen und steigern sich immer mehr in das Angstgefühl hinein.

Jeder Mensch ist in der Lage, seine Panikattacken und Angstzustände in den Griff zu bekommen.

Ursachen für Panikattacken und Angststörungen – kurz und knapp

Es gibt verschiedene Grundannahmen darüber, wie eine Panikattacke entstehen kann.

Und es gibt zahlreiche therapeutische Ansätze für die Behandlung von Panikstörungen.

Manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine chemische Fehlreaktion des Körpers handelt, die medikamentös behandelt werden sollte.

Andere Wissenschaftler nehmen an, dass die Ursache für eine Panikstörung ein innerer Konflikt ist, der therapeutisch aufgelöst werden sollte.

Ein weiterer wissenschaftlicher Ansatz geht davon aus, dass eine Panikstörung auf eine Erschöpfung zurückzuführen ist -­‐ und zwar auf körperlicher und/oder emotionaler Ebene.

Vier mögliche Ursachen einer Panikattacke im Überblick

Chemisches Ungleichgewicht

Seit einigen Jahren sehen verschiedene Wissenschaftler und Forscher eine chemische Unausgewogenheit im Körper als die Ursache für Angststörungen und Panikattacken. Diese Annahme soll den Bedarf einer medikamentösen Behandlung erklären.

Der Ansatz beinhaltet allerdings, dass Angststörungen und Panikattacken ein medizinisches Problem sind und mit Medikamenten wirkungsvoll behandelt werden können. In der westlichen Welt herrscht diese Annahme vor. Allerdings ist sie noch nicht bestätigt.

Oft werden in diesem Zusammenhang Beruhigungsmittel oder Antidepressiva verschrieben. Man hofft, das Problem durch eine Symptombekämpfung aufzulösen.

Körperliche und emotionale Erschöpfung

Viele Wissenschaftler, Ärzte und Psychologen vermuten einen Erschöpfungszustand als Ursache für Panikattacken.

Ist ein Mensch erschöpft, reagiert er sensibler auf Reize und andere Einflüsse aus seiner Umwelt. Und je erschöpfter er wird, desto mehr Sorgen macht er sich, ob mit ihm etwas nicht in Ordnung ist. Das erzeugt Angst, die immer stärker werden kann und der Nährboden für eine Angstspirale ist.

Die Angstspirale endet nicht selten in einer Angststörung mit Panikattacken, wenn sie nicht therapeutisch unterbrochen wird.

Es gibt Wissenschaftler, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen einem Erschöpfungszustand und einer Angststörung sehen. Diese Theorie ist in den 80er Jahren in den USA entstanden und wurde durch zahlreiche Studien bestätigt.

Betroffene interpretieren die Reaktionen ihres Körpers auf Stress als ein Anzeichen einer Erkrankung. Und oftmals werden dann selbst die kleinsten körperlichen Reaktionen als Krankheit wahrgenommen.

Damit beginnt der Teufelskreis der Angst:

Durch die innere Unruhe wird der Betroffene noch sensibler und interpretiert immer mehr in seine eigene Unsicherheit hinein. Die Symptome werden als immer intensiver wahrgenommen und erzeugen letztendlich eine Angststörung mit oder ohne Panikattacken.

Diese individuell unterschiedliche körperliche Erregbarkeit entscheidet darüber, dass bei manchen Menschen die Schwelle, bei der der Körper mit Angst reagiert, herabgesetzt ist. Dadurch reagieren sie schneller mit Körpersymptomen auf Stress und belastende Ereignisse als andere Menschen.

Ursache im Familiensystem

Es gibt keine Hinweise darauf, dass eine Angststörung genetisch bedingt ist.

Allerdings scheint es so zu sein, dass eine Panikstörung eines Elternteils die Entstehung bei den Kindern begünstigen kann.

Die Neigung der Eltern, besorgter und furchtsamer mit dem eigenen gesundheitlichen Zustand umzugehen, kann sich auf die Kinder übertragen. Sie übernehmen das vorgelebte Verhalten ihrer Bezugspersonen als unbewusstes Muster.

Auch Verlusterfahrungen in der Kindheit und Jugend, beispielsweise der Verlust eines Elternteils, können dazu führen, dass das Individuum mit Stress und Belastungen weniger gut umgehen kann.

Innerer Konflikt

Eine vierte Ursache für Panikattacken wird in einem inneren Konflikt gesehen, der den meisten betroffenen Menschen allerdings nicht bewusst sind.

Innere Konflikte entstehen meistens durch ungelöste Schwierigkeiten in der Kindheit, die dann ins Unbewusste verdrängt werden. Dort treiben sie aber weiter ihr Unwesen. Der Konflikt besteht zwischen dem Verstand und der Emotion, also zwischen dem Neocortex und dem limbischen Gehirn.

Entstehung von Angst- und Panikstörungen

Psychodynamische Theorien über die Entstehung von Angst- und Panikstörungen

In der psychoanalytischen Neurosentheorie nimmt der Affekt Angst eine zentrale Stellung ein. Man geht davon aus, dass alle Symptombildungen auf einen inneren unbewussten Konflikt zurückzuführen sind. Das Individuum versucht durch einen Kompromiss konflikthafte Bestrebungen bzw. Einstellungen miteinander zu „versöhnen“ und dadurch das psychische Gleichgewicht um den Preis neurotischer Konfliktlösung zu erhalten. Nach dieser Theorie entsteht bei Menschen Angst wenn die neurotische Konfliktlösung misslingt.

Eine weitere Grundannahme ist: Die Betroffenen konnten keine ausreichend stabilen Ich-Fähigkeiten ausbilden um mit adäquater „Signalangst“ umgehen zu können. In Konfliktsituationen wird der Betroffene durch den real bestehenden Konflikt überfordert. So können möglicherweise infantile Ängste reaktiviert werden. Bei Menschen mit neurotischer Angstsymptomatik werden insbesondere akute Ängste ausgelöst, wenn (unbewusste) Eigenbewertungen stattfinden. Zum Beispiel entsteht Trennungsangst bei drohendem Verlust oder Trennung einer nahestehenden Bezugsperson. Auch die Angst vor einem Verlust sozialer Anerkennung kann eine entscheidende Rolle spielen.

Diese Entstehungsmechanismen sind insbesondere bei der generalisierten Angststörung von Bedeutung. Bei Phobien besteht der wesentliche psychische Vorgang in einer Verschiebung bzw. Projektion. Man geht davon aus, dass eine ursprünglich intrapsychische Gefahrenquelle nach außen auf ein bestimmtes Objekt oder eine Situation verlagert wird. Nicht das reale angstauslösende Objekt wird gefürchtet, sondern die unbewussten Phantasien, die sich mit dem Objekt assoziativ verbinden.

Neurobiologische Aspekte einer Panickattacke

Bei der Entstehung von Angst-und Panikstörungen haben die neurobiologische Aspekte eine große Bedeutung. Das limbische System (insbesondere Amygdala und Hippocampus) nimmt dabei eine zentrale Stellung ein. Darüber hinaus spielen der Locus coeruleus als Ursprungsort der noradrenergen Neurone und die Raphkerne als Ursprungsort der serotonergen Neurone eine Rolle.

Eine besonders große Bedeutung haben neurobiologischen Faktoren bei der Genese von Panikstörungen.  So können Panikattacken bei Patienten durch bestimmte Substanzen (Laktat, Co2, Noradrenalin) experimentell provoziert werden. Schätzungsweise sind 40 % der Varianz der Vulnerabilität von Panikstörungen biologisch bedingt.

Kennzeichen von Panikstörungen

Das wesentliche Kennzeichen einer Panikstörung sind wiederkehrende schwere Panikattacken, die sich nicht auf eine spezifische Situation oder besondere Umstände beschränken. Deshalb sind sie auch nicht vorhersehbar. Die Panikstörung ist sozusagen eine kondensierte, schwere Angststörung. Es entwickelt sich schnell eine Erwartungsangst. Die Störung ist regelmäßig mit intensiven vegetativen Symptomen verbunden und häufig mit Agoraphobie kombiniert.

Die Lebenszeitprävalenz beträgt bei Panikstörungen 3-4 %. Isolierte Panikattacken sind jedoch wesentlich häufiger. Ungefähr 11 % der Frauen und 7 % der Männer erleben irgendwann in ihrem Leben eine Panikattacke. Die Erkrankung beginnt meistens zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer (Panikstörung mit Agoraphobie). Die Panikstörungen ohne Agoraphobie kommen bei Frauen und Männer gleich häufig vor.

Die Beschwerden setzen bei Panikattacken ganz plötzlich ein und steigern sich innerhalb einiger Minuten zu einem Höhepunkt. Psychische und körperliche Symptome sind dabei sehr eng miteinander verknüpft. Typische Symptome bei fast allen Fällen sind: Tachykardie, Hitzewallungen, Beklemmungsgefühle, Zittern, Atemnot, abdominelle Beschwerden und Ohnmachtsgefühle. Dazu kommt oftmals die Angst zu sterben oder Angst vor Kontrollverlust. Von vielen Patienten wird in dieser Situation häufig der Notarzt gerufen.

In der Regel dauert eine Panikattacke 10-30 Minuten, kann aber auch zwischen 2 Minuten und einigen Stunden anhalten. Nach der ersten oder nach weiteren Attacken entwickelt sich typischerweise eine ausgeprägte Erwartungsangst („ Angst vor der Angst“, Phobophobie). Die Erwartungsangst kann in den Vordergrund der Symptomatik treten. Daraus können sich ernsthafte Folgen entwickeln (z. B. sozialer Rückzug).

Häufig steht bei Panikattacken eine kardinale Symptomatik ganz im Vordergrund des Erlebens. Diese Phänomene wurden früher als Herzphobie oder Herzangstsyndrom bezeichnet. Man versteht darunter eine attackenartig auftretende kardinale Symptomatik ohne kardiologischen Befund. Sie wird von intensiver Angst begleitet. Es kommt zu starken vegetativen Symptomen: Blutdruckanstieg, Schweißausbruch, Schwindel, Druckgefühl im Thorax. Am häufigsten betroffen sind Männer im mittleren Lebensalter. Häufig ist eine Herzerkrankung einer Person in der näheren Umgebung des Patienten der Auslöser.

Diagnostische Leitlinien von Panikattacken bzw. Panikstörungen

Wenn eine Panikattacke in einer eindeutig phobischen Situation auftritt wird sie in der ICD-10 als Ausdruck des Schweregrades einer Phobie gewertet. Eine Panikstörung soll nur bei Fehlen der unter F40 genannten Phobien diagnostiziert werden. Eine eindeutige Diagnose ist nur bei mehreren schweren vegetativen Angstanfällen zu stellen, die innerhalb eines Zeitraums von etwa einem Monat aufgetreten sind:

  • in Situationen, in denen keine objektive Gefahr besteht;
  • wenn die Angstanfälle nicht auf bekannte oder vorhersagbare Situationen begrenzt sind;
  • zwischen den Attacken müssen weit gehend angstfreie Zeiträume liegen (Erwartungsangst ist jedoch häufig).

Differenzialdiagnose

Die Panikstörung muss von Panikattacken bei bekannter Phobie, wie bereits ausgeführt, unterschieden werden. Panikattacken können besonders bei Männern im Zusammenhang mit depressiven Störungen auftreten. Wenn die Kriterien für eine depressive Störung erfüllt sind, soll eine Panikstörung nicht als Hauptdiagnose erscheinen.

Ursache, Entwicklung und Entstehung von Angststörungen

Die Theorien über die Entstehung von Angststörungen sind genauso komplex wie ihr Auftreten und das subjektive Erleben der Betroffenen. Psychodynamische und lerntheoretische Modelle dienen als Erklärungsgrundlage für die Ursache, Entwicklung und Entstehung von Angststörungen. In der letzten Zeit hat die Kenntnis über neurobiologische Faktoren jedoch deutlich zugenommen. Die Modellvorstellungen lassen sich am besten, analog zu der Genese anderer psychischer Erkrankungen, in einem Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modell verbinden.

Lerntheoretische Aspekte bei Angststörungen

Die lerntheoretischen Ansätze haben primär die Modelle von der Entstehung phobischer Zustände beeinflusst. Objekt- bzw. situationsgebundene Angst konnte bereits sehr früh durch Auslösen bedingter Reflexe experimentell erzeugt werden (klassisches Konditionierung). Allerdings konnte die Komplexität von Angst und Panikstörungen mit diesen einfachen experimentellen Konzepten nicht ausreichend beschrieben werden.

In der Verhaltenstherapie wird heute zwischen disponierenden, auslösenden und aufrechterhaltenen Faktoren unterschieden. Die disponierenden Faktoren sind genetische Prozesse und lebensgeschichtliche Bedingungen. Aber auch Lernprozesse (Modelllernen) scheinen eine Rolle zu spielen. Auslösende Momente können belastungsreiche Lebensphasen oder subjektiv bedeutsame Lebensereignisse sein. Je nach Störungsform und betroffener Person sind die aufrechterhaltenen Faktoren sehr unterschiedlich (z. B. ängstliche Selbstbeobachtung, Vermeidungsverhalten und negative Selbstbewertungen.) Oftmals kann ein differenziertes Zusammenwirken von komplexen Verstärkersystemen beobachtet werden (operante Konditionierung). Art, Abfolge und Häufigkeit von bestimmten Reizen, aber auch die Reaktion der Umgebung sind weitere Variablen. Das Zusammenwirken von psychischen und körperlichen Faktoren kann zu einer gegenseitigen Verstärkung führen.

„Nicht die Dinge an sich beunruhigen den Menschen, sondern seine Sicht der Dinge.“ (Epiktet, griechischer Philosoph, 50 – 138 n. Chr.)

Die wahrgenommenen körperlichen Symptome der Angst werden vom Betroffenen als Gefahr fehlinterpretiert (kognitive Fehlattribution). Diese Fehlinterpretation einer nicht vorhandenen Gefahr verstärkt das Angstgefühl. Das wiederum führt im Sinne einer Stressreaktion zu einer Verstärkung der körperlichen Symptome. Ein Teufelskreis entsteht, der die stetige Zunahme der Angstsymptomatik begünstigt.

Auch das Auftreten von Erwartungsangst im Rahmen von Panikstörungen werden durch lerntheoretischer Modelle erklärt. Bereits ein einmaliges Auftreten einer Panikattacke kann eine Angst vor weiteren Attacken auslösen (Angst vor der Angst, Phobophobie). Eine wesentliche Verstärkerrolle spielt dabei das völlig unerwartete und nicht kalkulierbare Auftreten von Panikattacken.

Generalisierte Angststörung

Zwischen normaler Angst und einer generalisierten Angststörung unterscheiden zu können, ist oftmals sehr schwierig. Als Hauptmerkmal dieser Angsterkrankung macht sich eine in vielen Lebensbereichen unrealistische oder übertriebene Angst und Besorgnis bemerkbar.  Das wesentliche Symptom ist eine generalisierte und anhaltende Angst, die sich aber nicht auf bestimmte Situationen in der Umgebung beschränkt. Auch ist die Angst in bestimmten Situationen nicht besonders betont. Das bedeutet, die Angst ist frei flottierend. Die hauptsächlichen körperlichen Reaktionen sind wie bei anderen Angststörungen sehr unterschiedlich. Zu diesem Krankheitsbild gehören Beschwerden wie ständige Nervosität, Muskelspannung, Zittern, Benommenheit, Schwitzen, Schwindelgefühle, Herzklopfen oder Oberbauchbeschwerden. Die Patienten befürchten häufig, zu erkranken oder zu verunglücken. Sie ängstigen sich auch darüber, dass Angehörige von Ihnen erkranken oder ihnen irgendetwas anderes zustoßen könnte. Auch kann eine große Anzahl anderer Sorgen und Vorahnungen vorhanden sein.

Bei Frauen kommen diese Störungen häufiger vor als bei Männern. Oftmals in Zusammenhang mit lange andauernden Belastungen durch äußere Umstände. Der Verlauf ist unterschiedlich. Er tendiert aber zu Schwankungen und Chronifizierungen.

So wird eine generalisierte Angststörung diagnostiziert

Patienten müssen primäre Symptome von Angst an den meisten Tagen, mindestens mehrere Wochen lang, meist mehrere Monate, aufweisen. Sie können sich in der Regel nur kurzfristig von den Ängsten ablenken oder distanzieren. In der Regel sind folgende Einzelsymptome festzustellen:

  • Befürchtungen (Sorge über zukünftiges Unglück, Konzentrationsschwierigkeiten, Nervosität usw.)
  • motorische Spannung (körperliche Unruhe, Spannungskopfschmerz, Zittern, Unfähigkeit, sich zu entspannen)
  • vegetative Übererregbarkeit (Benommenheit, Schwitzen, Tachykardie oder Tachypnoe, Oberbauchbeschwerden, Schwindelgefühle, Mundtrockenheit etc.)

 

Bei Kindern herrschen oft das häufige Bedürfnis nach Beruhigung und wiederholte somatische Beschwerden vor. Andere Symptome (besonders Depressionen) können für wenige Tage vorübergehend auftreten und schließen eine generalisierte Angststörung als Hauptdiagnose nicht aus.

Betroffene dürfen aber nicht die vollständigen Kriterien für eine depressive Episode (F32), phobische Störung (F40), Panikstörung (F41.0) oder Zwangsstörung (F42) erfüllen.

Verlauf

Ohne Behandlung besteht die generalisierte Angststörung gewöhnlich über einen Zeitraum von mehreren Jahren bzw. Jahrzehnten. Die Beeinträchtigung der sozialen Anpassung oder der beruflichen Leistungsfähigkeit ist meist geringer als bei anderen Angststörungen.

Komorbidität

Sehr häufig treten Angststörungen in Kombination mit anderen psychischen Erkrankungen auf. Oft ist es sehr schwer zu differenzieren, welche Störung dabei im Vordergrund steht. So weisen etwa 60 % der Patienten mit einer generalisierten Angststörung auch Symptome einer behandlungsbedürftigen Depression auf. Bei 20-40 % der Patienten kommt es zu einer Komorbidität mit Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen. Auch andere Erkrankungen treten gehäuft im Zusammenhang mit Angststörungen auf. Dabei handelt es sich um Zwangsstörungen, somatoforme Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen.

Klassifizierung von Angststörungen

Angststörungen werden unterschiedlich klassifiziert. Früher wurde die Einteilung von psychischen Störungen mit dem Hauptsymptom Angst in Angstneurosen und Phobien unterteilt. Die früher als Angstneurosen beschriebenen Krankheitsbilder werden in den modernen Diagnosesystemen aufgeteilt in Panikstörung und generalisierte Angsterkrankung. Phobien werden im Wesentlichen in Agoraphobie, soziale Phobie und isolierte (spezifische) Phobien unterteilt.

Phobien

Agoraphobie

Das klinische Bild der Agoraphobie ist gekennzeichnet durch Ängste, sich in Situationen oder an Orten zu befinden, an denen beim plötzlichen Auftreten von hilflos machenden oder peinlichen Symptomen eine Flucht nur schwer möglich oder aber keine Hilfe verfügbar wäre.

Typische Situationen sind:

  • sich in Menschenmengen zu befinden
  • sich auf öffentlichen Plätzen aufzuhalten
  • auf Reisen alleine bzw. weit von zuhause entfernt zu sein.

 

Der Patient befürchtet, dass für ihn plötzlich problematische Situationen auftreten können. Und das dann keine sofortige Hilfe möglich wäre und er die Situation nicht verlassen könnte. Die Angst richtet sich etwa auf plötzlichen Schwindel, Depersonalisationsgefühle, Verlust der Blasen oder Damenkontrolle, Herzbeschwerden oder Ohnmachtsgefühle. Die Agoraphobie tritt oftmals in Kombination mit einer Panikstörung auf.

Soziale Phobie

Gekennzeichnet ist die soziale Phobie durch eine anhaltende Angst vor Situationen, in denen die Betroffenen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit anderer Menschen stehen. Die Angst wird als übertrieben oder unvernünftig empfunden. In der Regel führt es zu einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten.

Die phobischen Ängste konzentrieren sich vor allem auf Situationen in denen sich die Personen der prüfenden Beobachtung durch andere Menschen ausgesetzt fühlen. Die Ängste können entweder nur in bestimmten Situationen auftreten oder in so gut wie in allen Situationen außerhalb des Familienkreises ausbrechen. Eine ganz typische Situation ist zum Beispiel das Sprechen in der Öffentlichkeit.

Spezifische Phobie

Das Hauptmerkmal der spezifischen Phobie ist die anhaltende Angst vor einem umschriebenen Objekt oder einer umschriebenen Situation. Diagnostiziert wird die Störung nur, wenn die Angst erhebliches Leiden verursacht.

Am häufigsten tritt die Angst als Furcht vor Tieren auf, besonders vor Hunden, Schlangen, Insekten oder Mäusen. Andere phobische Situationen sind der Anblick von Blut. Als Klaustrophobie bezeichnet man die Schwierigkeit, sich in geschlossenen Räumen aufhalten zu können. Die Angst vor dem Fliegen (Flugangst) wird als Aviophobie bezeichnet und die Angst vor Höhe nennt man Akrophobie.

Panikstörung und Panikattacke

Panik: Ausgeprägte Angst entsteht ohne sichtbaren Anlass und tritt meist anfallsweise auf. Die Angst ist mit ausgeprägten körperlichen Symptomen verbunden (Panikattacke).

Panikstörung: Wiederholte abgrenzbare Panikattacken, die unerwartet und nicht situationsgebunden sind. Erwartungsangst entwickelt sich schnell. Die Störung ist regelmäßig mit intensiven vegetativen Symptomen verbunden. Die Panikstörung ist häufig mit einer Agoraphobie verknüpft.

Bei Panikattacken fangen die Beschwerden ganz plötzlich an und steigern sich innerhalb weniger Minuten zu einem Höhepunkt. Die psychischen und körperlichen Symptome sind dabei sehr eng miteinander verknüpft. In den allermeisten Fällen kommt es zum Auftreten von Hitzewallungen, Beklemmungsgefühlen, Zittern und Tachykardie. Oftmals auch zu anderen vegetativen Symptomen wie Atemnot, abdominellen Beschwerden und Ohnmachtsgefühlen. Zusätzlich besteht die Angst vor Kontrollverlust oder sogar zu sterben.

Generalisierte Angststörungen

Generalisierte und lang anhaltende Angst, die nicht nur auf bestimmte Situationen oder Objekte begrenzt ist. Sie ist frei flottierend. Es bestehen unrealistische Befürchtungen, motorische Spannung und vegetative Übererregbarkeit.

Es ist oftmals sehr schwierig zwischen normaler Angst und einer generalisierten Angststörungen zu unterscheiden. Das Hauptmerkmal der generalisierten Angststörung ist eine, in vielen Lebensbereichen übertriebene Angst und Besorgnis. Folgende Symptome stehen im Vordergrund: Zittern, Muskelspannung, schwitzen, Benommenheit, Herzklopfen, Schwindelgefühle oder Oberbauchbeschwerden.

Angststörung – mehr als 15 Prozent aller Menschen sind betroffen

Angststörung – wenn Angstsymptome grundlos auftreten

Unter dem Oberbegriff Angststörung werden mehrere Erkrankungen zusammengefasst. Charakteristisch für diese Gruppe von psychischen Krankheiten sind massive Angstreaktionen bei gleichzeitigem Fehlen akuter extremer Gefahren und Bedrohungen. Sie werden durch unterschiedliche Erscheinungsweisen der Angst ausgezeichnet. Man unterscheidet zwischen drei wesentlichen Formen:

  • frei flottierende Angst
  • phobische Angst
  • Panik

Als Symptome machen sich sowohl seelische als auch körperliche Beschwerden bemerkbar. Angststörungen haben in der Regel auch im sozialen Bereich gravierende Folgen und können zu ausgeprägter Behinderung führen.

Grundsätzlich lässt sich Angst als ein unangenehmes Gefühl von Bedrohung beschreiben. Jeder Mensch hat Angst in unterschiedlichen Situationen und in unterschiedlicher Ausprägung bereits erlebt. Dieses Phänomen ist aber nur sehr schwer allgemein gültig zu definieren und nicht nur als etwas Negatives zu betrachten. Als normale Angst (Real Angst) hat sie nämlich eine Alarmfunktion für unseren Organismus. Sie soll Aktivitäten zur Beseitigung einer bestehenden oder drohenden Gefahr auslösen und wieder verschwinden, wenn die Gefahr beseitigt ist. In diesem Sinne hat Angst die Aufgabe, unsere körperlichen und seelischen Abwehrfunktion zu stärken. Ein zu viel an Angst bewirkt allerdings das Gegenteil, denn die körperlichen und geistigen Funktionen werden gelähmt.

Angststörung – wenn Angstsymptome grundlos auftreten

Wenn Angstsymptome scheinbar grundlos auftreten, spricht man von pathologischer Angst, die zu einem psychopathologischen Symptom mit Krankheitswert werden kann. Unterschieden wird, ob die Angst im Zusammenhang gegenüber bestimmten Objekten auftritt bzw. mit bestimmten Situationen zusammenhängt oder ohne äußeres Einwirken vorhanden ist.

Angst ist eines der am häufigsten vorkommenden psychopathologischen Symptome. Die Angststörung (einschließlich der Panikstörung) gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung. Mehr als 15 % aller Menschen erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Angststörung (Lebenszeitprävalenz). Die Punktprävalenz beträgt etwa 7 %. Mehr als die Hälfte der Patienten in den Praxen von Allgemeinärzten geben Angst als subjektive Beschwerde an. Bei 20 % haben sich die Beschwerden bereits zu einer pathologischen Angststörung entwickelt, die therapiert werden muss.

Die spezifische Phobie (auch als isolierte Phobie bezeichnet) kommt am häufigsten vor. Tierphobien, Höhenangst und Angst vor geschlossenen Räumen stehen bei der isolierten Phobie im Vordergrund. Deutlich seltener ist die Panikstörung mit einer Lebenszeitprävalenz von etwa 4 %. Unter den Angststörungen ist sie jedoch die am häufigsten Behandlungsbedürftige. Die Lebenszeitprävalenz sozialer Phobien beträgt 3 % (in einigen Studien werden Häufigkeiten bis zu 11 % angegeben).

Bei Frauen treten die meisten Angstsyndrome wesentlich häufiger auf als bei Männern. Auf eine Abnahme der Inzidenz einer Angststörung nach dem 45. Lebensjahr gibt es Hinweise.

Komorbidität von Angststörungen

Wegen der Komorbidität von Angstörungen mit anderen psychischen Störungen ist es oft schwierig, die vorherrschende Störung genau zu betimmen. Bei Mischbildern von Symptomen, wie beispielsweise das häufige gemeinsame Auftreten von Angst und Depression, wird das im Vordergrund stehende bzw. zuerst aufgetretene Krankheitsbild in der Diagnostik priorisiert.

Besonders bei den leichteren Formen in der Primärversorgung kommen die Kombinationen von Depression und Angst am häufigsten vor. Eine Kategorie für Fälle, bei denen Depression und Angst gleichzeitig besteht, ist vorgesehen (ICD 10 F41.2 – Angst und depressive Störung, gemischt). Diese Kategorie soll bei gleichzeitigem Bestehen von Angst und Depression Verwendung finden, jedoch nur, wenn keine der beiden Störungen ein Ausmaß erreicht, dass eine entsprechende einzelne Diagnose rechtfertigen würde. Zeigt sich schwere Angst mit einem geringen Anteil von Depression, muss eine der anderen Kategorien für Angst oder phobische Störung verwendet werden. Treten beide Symptome in so starker Ausprägung auf, dass beide einzeln codiert werden können, soll diese Kategorie nicht verwendet werden.

Noch viel häufiger als in der Primärversorgung kommt die Kombination milder Symptome von Angst und Depression in der Bevölkerung vor, ohne dass sie in medizinische oder psychiatrische Behandlung gelangt.

Etwa 60 % der Patienten, die unter einer Panikstörung leiden bzw. von einer generalisierten Angststörung betroffen sind, weisen auch die Symptome einer (behandlungsbedürftigen) Depression auf. Bei den spezifischen Phobien liegt die Quote bei 30-40 %.

Bei 20-40 % der Patienten mit Angststörungen ist eine Komorbidität mit Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten oder anderen Drogen vorhanden. Zum Beispiel können Betroffene in einem missglückten Selbstheilungsversuch Alkohol trinken, um sich zu entspannen. Oder sie nehmen Medikamente, um einschlafen zu können oder Angst besetzte Situationen zu überstehen.

Im Zusammenhang mit Angststörungen treten gehäuft Zwangsstörungen, somatoforme Störungen und posttraumatische Belastungsstörungen auf.

Auch kommt es sehr häufig zu einer Kombination der verschiedenen Angststörungen. Zum Beispiel haben fast alle Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Agoraphobie auch eine Panikstörung.

Verlauf von Angststörungen

Der spontane Verlauf von Angststörungen gilt als insgesamt wenig günstig. Oftmals ist nicht die Angst selbst die eigentliche Schwierigkeit bei dieser Gruppe von psychischen Störungen. Vielmehr leiden die Betroffenen unter den Folgen ihrer Krankheit, weil ihre Lebensqualität oftmals erheblich eingeschränkt wird. Vor allem bei der „Angst vor der Angst“ kann ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten und eine soziale Isolierung den Leidensdruck stark erhöhen.

Bei der Agoraphobie kommt es häufig zu einem chronischen Verlauf. Das Vermeidungsverhalten und die Erwartungsangst sind ganz besonders ausgeprägt. Das soziale Leben wird dadurch stark beeinträchtigt. Das Verlassen der vertrauten Umgebung ist oft unmöglich.

Panikattacken wiederholen sich meistens. Häufig treten sie mehrfach pro Woche oder sogar täglich auf. Die Panikstörung kann episodenhaft verlaufen. In den meisten Fällen sind Patienten über Jahre in unterschiedlicher Intensität von ihr betroffen. Vor allem die Kombination mit der Agoraphobie schränkt Menschen in ihrer Lebensführung ein, denn oftmals sind sie völlig isoliert und an die vertrauten vier Wände gebunden. Bei einem längeren Verlauf kann es zu Komplikationen durch Missbrauch von Alkohol und Anxiolytika kommen. Diese Störung tritt häufig gemeinsam mit Depressionen auf.

Bei der sozialen Phobie wird ebenfalls ein chronischer Verlauf beobachtet, wenn keine therapeutischen Maßnahmen durchgeführt werden. Wenn durch die bestehende phobische Symptomatik die Kommunikationsbereitschaft in der Öffentlichkeit immer mehr eingeschränkt wird, wirkt dies wie ein Verstärker der Angst. Dadurch kann es zu einer vollständigen Isolierung des Patienten kommen.

Ohne Behandlung kann die generalisierte Angststörung mehrere Jahre und sogar Jahrzehnte bestehen. Die Beeinträchtigung im sozialen oder beruflichen Kontext ist meist geringer als bei anderen Angststörungen.

Der Verlauf bei spezifischen Phobien ist unterschiedlich. Phobien, die in der Kindheit entstanden sind, lösen sich oftmals ohne Behandlung auf (Tierphobien beginnen fast immer in der Kindheit). Später entstandene Phobien können dauerhaft persistieren (Höhenängste können auch noch im vierten Lebensjahrzehnt entstehen). Spezifische Phobien brauchen insgesamt nur selten psychiatrisch behandelt werden.

Differenzialdiagnose bei Angststörungen

Die wichtigste Differenzialdiagnose bei Angststörungen ist die Abgrenzung zu normaler Angst. Besonders zu beachten sind dabei die Schwere der Angstsymptomatik, die fehlende psychologische Ableitbarkeit und die Ausprägung der sozialen Beeinträchtigung.

Da bei depressiven Störungen sehr häufig auch Angst vorhanden ist, sollte in diesem Zusammenhang auf ausgeprägte depressive Symptome geachtet werden. Ebenso muss der häufig vorkommende phasenhafte Ablauf einer depressiven Erkrankung berücksichtigt werden.

Bei schizophrenen Psychosen kommt häufig wahnhaft begründete Angst vor. Die allgemeinen Wahnkriterien müssen erfüllt sein. Bei wahnhafter Angst haben die Betroffenen nicht nur eine ungewisse Befürchtung oder Sorge, vielmehr sind sie fest davon überzeugt, dass ihre Befürchtungen eintreffen werden. Wahn ist nicht diskutierbar.

Die Abgrenzung zu organischen psychischen Störungen und internistischen Erkrankungen wird durch die Erhebung von pathologischen Organbefunden sichergestellt, die möglicherweise in einen zeitlichen Zusammenhang zum Auftreten und/oder Abklingen von Angstsymptomen stehen. Panikattacken sollten sorgfältig von epileptischen Anfällen abgegrenzt werden.

Drogenintoxikationen und Angststörungen

Im Rahmen von Drogenintoxikationen, insbesondere durch Amphetamine, LSD und Marihuana ist das Kriterium des zeitlichen Zusammenhangs von Bedeutung. Gleiches gilt bei einem Drogenentzug oder beim Absetzen bestimmter Medikamente (Anxiolytika).

Posttraumatische Belastungsstörung und Zwangserkrankungen

Bei posttraumatischen Belastungsstörungen ist Angst ein führendes Symptom. Inhaltlich und zeitlich ist die Angst auf das zugrundeliegende Trauma bezogen. Üblicherweise tritt bei Zwangserkrankungen Angst nur dann auf, wenn die Zwangsimpulse bzw. die Zwangshandlungen nicht umgesetzt werden. Auch bei Persönlichkeitsstörungen kann Angst ein wesentliches Symptom sein (ängstliche, abhängige, anankastische und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung).

Erkrankungen, die häufig Angst als relevantes Symptom aufweisen

Nichtorganische psychische Störungen

Schizophrene Psychosen, affektive Psychosen, Zwangsstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Anpassungstörungen.

Organisch bedingte psychische Störungen

Delir, organische Angststörung, organische wahnhafte Störung, organische depressive Störung, organische Persönlichkeitsstörung.

Substanzabhängige Störungen

Hirnorganische Anfallsleiden, Chorea Huntington, Migräne, multiple Sklerose, zerebrale Minderperfusion, erhöhter Hirndruck.

Internistische Erkrankungen

Angina Pectoris/Myokardinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Hypoglykämie, Hypoxie, Lungenembolie, Hyperthyreose, Karzinoid, Phäochromozytom, Anaphylaxie.

Diagnose einer Angststörung – Angst kann normal oder krankhaft sein.

Die Diagnose einer Angststörung muss verschiedene Ebenen berücksichtigen. Zunächst muss festgestellt werden, ob eine normale oder krankhafte Angst vorliegt. Dazu müssen:

  • die Schwere der Symptomatik
  • die fehlende psychologische Ableitbarkeit
  • und die Ausprägung der sozialen Beeinträchtigung berücksichtigt werden.

Dann muss geklärt werden, ob die Angstsymptomatik somatisch bedingt sein könnte oder durch eine andere psychische Störung hervorgerufen wird. Gibt es keine Anzeichen für das Vorliegen einer solchen Erkrankung, liegt vermutlich eine primäre Angstsymptomatik vor.

Es müssen drei Fragen beantwortet werden um eine genaue Diagnose erstellen zu können:

  • liegt krankhafte Angst vor?
  • handelt es sich um eine primäre Angsterkrankung?
  • handelt es sich um Symptome einer anderen Störung?

 

Besonders wichtig ist die Differenzierung zwischen Angst und Depression. Denn oftmals ist eine genaue Trennung von Angst und Depression nicht möglich. In einem solchen Fall muss herausgefunden werden, welcher der beiden affektiven Zustände die eigentliche Grundlage des Störungsbildes darstellt. Möglich ist auch, dass beide Symptome direkt aufeinander bezogen sind.

Es muss berücksichtigt werden, dass Angst ein häufiges Begleitsymptom anderer psychischer und körperlicher Erkrankungen ist.

Bei der Diagnostik von Angststörungen gibt es im klinischen Kontext eine Vielzahl von Angstfragebögen (Selbst-und Fremdbeurteilungsskalen). Ein Beispiel für einen Selbstbeurteilungs-Fragebogen ist das „State-Trait-Anxiety-Inventory“, das international eingesetzt wird. Als Fremdbeurteilungsbogen wird die Hamilton Angstskala häufig eingesetzt.

Beispielhafte Anamnesefragen bei Verdacht auf Angst-und Panikstörungen (nach Margraf).

EINLEITUNG: „Viele Menschen haben in verschiedenen Situationen auch einmal Ängste. Können Sie mir sagen, ob die folgenden Situationen oder Dinge Angst machen oder bei Ihnen den Wunsch auszulösen, sie möglichst zu vermeiden?“

Anamnesefragen zu einzelnen Krankheitsbildern (Beispiele):

Panikstörung:

„Leiden Sie manchmal unter plötzlichen und unerwarteten Angstanfällen, ohne dass eine tatsächliche Bedrohung vorliegt?“

Agoraphobie:

“Gibt es bestimmte Situationen und Orte wie zum Beispiel Kaufhäuser, Autofahren, Fahrstühle, Menschenmengen oder geschlossene Räume, die Ihnen Angst machen oder die Sie möglichst vermeiden?“

Soziale Phobie:

„Fürchten oder vermeiden Sie bestimmte Situationen, in denen Sie von anderen Menschen beobachtet oder bewertet werden können wie zum Beispiel öffentliches Sprechen, Zusammenkünfte, Partys oder Gespräche?“

Spezifische Phobie:

„Fürchten oder vermeiden Sie bestimmte Dinge oder Aktivitäten wie zum Beispiel Tiere, Höhen, Flugreisen oder den Anblick von Blut und Verletzungen?“

Generalisierte Angststörung:

„Leiden Sie häufig unter übermäßig starken Sorgen, die Sie nicht kontrollieren können, zum Beispiel über familiäre, berufliche oder finanzielle Angelegenheiten?“

Die Beispielfragen sind aus dem Buch Psychiatrie und Psychotherapie – 4. Auflage – Autoren: Hans-Jürgen Möller, Gerd Laux, Arno Deister – entnommen.

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Wenn Angst das Leben beherrscht