Mitarbeitermotivation – Menschen sind keine Zahnpastatuben

Das klassische System von Belohnung und Bestrafung hat sich in der modernen Arbeitswelt längst als unzureichend erwiesen. Die Arbeitswelt verändert sich – nicht zuletzt auch durch die fortschreitende Automatisierung – in eine Richtung, in der Mitarbeiter nicht mehr nur bloße Befehlsempfänger sein möchten, sondern aktiver Teil des Unternehmens. Was bedeutet dieser Wandel für Führungskräfte und was ist die vielbeschworene intrinsische Motivation?

Intrinsische Mitarbeitermotivation hat ihren Ursprung im Gehirn

Man kann Mitarbeiter antreiben, zwingen, ihnen drohen und sie belohnen, also „extrinsische Motivation“ anwenden. Doch wirklich hervorragende Leistungen werden sie nur dann leisten, wenn ihre Motivation von innen kommt. Denn wie Hirnforscher Gerald Hüther so treffend formuliert: „Menschen sind keine Zahnpastatuben: Wenn man mehr drückt, kommt nicht zwingend mehr raus.“ Mit dieser Methode unterdrückt man bloß die Freude am Schaffen, die sich natürlicherweise einstellt, wenn Menschen aus eigener Motivation heraus Leistung erbringen. Wer als Führungsperson nur auf den Erhalt und Ausbau seiner Macht bedacht ist, wird insgesamt wenig Erfolg damit haben. Der Grund dafür liegt in unseren Gehirnen verankert. Dort gibt es eine Stelle, die dafür verantwortlich ist, innere Impulse zu verstärken und damit konkrete Handlung auszulösen. Diese Impulse werden durch unsere Bedürfnisse ausgelöst. Ist man hungrig, will man essen. Ist man einsam, wünscht man sich Gemeinschaft und Zärtlichkeit. Solche Bedürfnisse gibt es viele – in unserer modernen Arbeitswelt werden die Bedürfnisse nach Selbstverwirklichung, nach Mitspracherecht und Eigenverantwortung immer wichtiger. Handlungen, die aus einem solchen inneren Impuls entstehen, nennt man „intrinsisch motiviert“. Das intrinsische Motivationssystem wird durch das Glückshormon Dopamin stimuliert, das durch die Nervenenden freigesetzt wird. Es treibt uns an und macht uns euphorisch. Das hat auch einen ganz praktischen Sinn: zielführende Verhaltensweisen werden durch ein gutes Gefühl belohnt und in ganz konkrete, unbewusste Handlungsmuster übersetzt.

Im Grunde sind wir stets darauf bedacht, innere Harmonie herbeizuführen – also einen Zustand, in dem alles zusammenpasst. Diesen nennt man „Kohärenz“. Wir streben danach, weil wir in diesem Zustand wenig Energie verbrauchen. Störende Einflüsse, wie z.B. laute Geräusche oder das Erwachen eines Unzufriedenheitsgefühls führen zu einem inkohärenten Zustand. Wir möchten das Problem lösen, weil es viel unserer Energie verbraucht – ein innerer Impuls. Ist er stark genug, wird Antrieb und damit Handlung ausgelöst. Kann die Handlung die Inkohärenz auflösen, wird unser körpereigenes Belohnungssystem aktiviert. Wir haben eine Herausforderung gemeistert, eine Aufgabe gelöst, waren erfolgreich – dann empfinden wir Freude. Ganz nebenbei bilden sich dadurch auch neue neuronale Verknüpfungen und wir entwickeln uns weiter. Gerald Hüther spricht von „Dünger fürs Gehirn“. So erledigen wir Dinge, die wir mit Freude tun, besser und schneller und darum verankern sich Erfolge tiefer in unserem Gehirn als Niederlagen.

Gute Führungskräfte nehmen Mitarbeiter auf die Reise des Unternehmens mit

Was bedeutet das alles nun für Führungskräfte? Nun – wir sind soziale Wesen. Wir lassen uns von der Freude und Begeisterung anderer anstecken, sofern das soziale Umfeld entsprechend wohlwollend gegenüber dem einzelnen Individuum ist. Das heißt, dass in einem positiven und freien Arbeitsumfeld eine Dynamik entsteht, die Mitarbeiter mitreißen, zwanglos antreiben und intrinsisch motivieren kann. Dieses Umfeld kann nur entstehen, wenn Führungskräfte nicht alles diktatorisch vorgeben, Eigeninitiative nicht erdrückt wird und Weiterentwicklungsmöglichkeiten gegeben sind. Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern das Ziel, die Mission Ihres Unternehmens. Nehmen Sie sie mit auf die Reise Ihres Unternehmens. Hierzu kann die Methode des Storytellings äußerst nützlich sein: Warum und mit welcher Vision hat sich Ihr Unternehmen gegründet? Welche Hindernisse hat es zu bewältigen? Gibt es einen Gegenspieler? Welche Rolle nehmen Ihre Mitarbeiter bei dieser Reise ein – sind sie Mentoren, oder gar Protagonisten dieser Geschichte? Vermitteln Sie Ihren Mitarbeitern diese Geschichte und machen Sie sie zum ausschlaggebenden Teil davon. Wichtig ist auch: Bleiben Sie dabei authentisch und zeigen Sie Emotionen. Lassen Sie sie eigene kreative Wege und Lösungen finden, geben Sie Ihnen die Möglichkeit, Ihr Potenzial auszuschöpfen. Seien Sie dabei stets transparent: binden Sie Ihre Mitarbeiter in Entscheidungen ein, bzw. geben Sie ihnen zumindest klare und verständliche Begründungen für die Entwicklungen im Unternehmen. Dann fühlen Sie sich ernstgenommen, sie können Ihren Blickwinkel auf die Dinge besser verstehen und damit auch besser akzeptieren. Das befriedigt auch den Wunsch danach, etwas Sinnvolles zu tun. Denn Mitarbeiter, die in die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse des Unternehmens Einblick haben, können das „große Ganze“ besser verstehen und damit den Sinn ihrer eigenen Tätigkeit besser einordnen.

Menschen Arbeiten nicht nur, um ihre Rechnungen zu bezahlen. Sie möchten dazugehören, Autonomie beweisen und etwas Sinnvolles tun. Wenn Sie als Führungskraft ein Umfeld schaffen, das diese Bedürfnisse befriedigt und den Mitarbeitern Raum zur Gestaltung und Entfaltung zugestehen, werden Sie überrascht sein, was sie alles leisten können. Denn dann aktivieren Sie die richtigen Impulse, die zu intrinsischer Motivation führen. Sie brauchen keine bloßen Befehlsempfänger – dafür können Sie in Zukunft Maschinen und Roboter einsetzen. Um erfolgreich zu sein, brauchen Sie motivierte, kreative und aktive Menschen, die zusammen mit Ihnen am Erfolg des Unternehmens arbeiten und diesen genauso sehr anstreben wie Sie. Das beinhaltet auch, dass Sie sich als Führungskraft Gedanken darüber machen, ob Mitarbeiter am richtigen Ort sind, oder ob sie das Potenzial für andere Bereiche oder mehr Verantwortung in sich tragen. Aufstiegsmöglichkeiten motivieren intrinsisch, denn sie schaffen die Möglichkeit, sich Träume zu erfüllen und sich selbst zu verwirklichen.

Es gibt Studien, die bewiesen haben, dass Mitarbeiter bessere Leistungen erbringen, wenn sie nicht kontrolliert werden. Das ist durchaus menschlich: wird uns Vertrauen entgegengebracht, möchten wir dieses nicht enttäuschen. Werden wir zu etwas gezwungen, regt sich innerlicher Widerstand und wir werden versuchen, dem Zwang zu entgehen und uns auf irgendeine Art und Weise dagegen zur Wehr setzen. Vertrauen ist also besser als Kontrolle. Es vermittelt Wertschätzung und Anerkennung und trägt dazu bei, dass Ihre Mitarbeiter sich anstatt als unwichtiges Rädchen im Befehlsgefüge als ausschlaggebender Teil des Unternehmens fühlen. Er fördert die intrinsische Motivation, wenn Ihre Mitarbeiter wissen, dass sie mitgestalten und sich einbringen, dass sie einen Unterschied machen können.

Es klingt banal, ist aber sehr effektiv: arbeiten Sie an einem authentischem Führungsstil, der Mitarbeitern das Gefühl gibt eingeladen, ermutigt und inspiriert zu sein. Sie werden überrascht sein, welches Potenzial in Ihren Mitarbeitern schlummert.

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Seite aktualisiert am 07.04.2019

 

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